Das Schauspielhaus Zürich ist die grösste Sprechtheaterbühne der Schweiz und eines der renommiertesten Theater im deutschsprachigen Raum. Mit dem traditionsreichen Pfauen in Zürich-Hottingen und dem 2000 eröffneten Schiffbau in Zürich-West verfügt es heute über zwei grosse Häuser in zwei Stadtteilen. Jede Saison stehen rund zwanzig Neuinszenierungen auf dem Spielplan, im Pfauen mit seinen 750 Plätzen wird fast täglich Repertoire geboten, im Schiffbau stehen die Halle (je nach Bestuhlung 400 bis 600 Zuschauer) und die Box (200) für Vorstellungsserien zur Verfügung. Hinzu kommen Inszenierungen in der Kammer im Untergeschoss des Pfauen (70 Plätze), die Produktionen des Jungen Schauspielhauses in der Matchbox im Schiffbau (70 Plätze), sowie Wiederaufnahmen, Gastspiele, Extras und Fremdveranstaltungen. Im Jahr zeigt das Schauspielhaus rund 600 Vorstellungen, bei einer täglichen Gesamtkapazität von bis zu 1500 Plätzen.
Der Pfauen, gegenüber vom Kunsthaus am Heimplatz/Rämistrasse gelegen, ist die grösste Bühne des Schauspielhauses. Architektonisch eine so genannte Guckkastenbühne, bietet der Pfauen – im Parkett, im Rang und in den Logen – bis zu 750 Zuschauern Platz. Zehn Neuinszenierungen pro Saison stehen auf dem Spielplan, fast täglich wird auf der Pfauenbühne gespielt. Neben bekannten Klassikern – Antike, Shakespeare-Zeit, deutsche Klassik und klassische Moderne – sind vermehrt auch neue Stücke und Uraufführungen Teil des Pfauen-Repertoires.
Im Untergeschoss des Pfauen betreibt das Schauspielhaus eine weitere kleine Theaterbühne – die Kammer: Im Sommer 2006 wurde sie umgebaut und neu ausgestattet und bietet nun Platz für ca. 70 Zuschauer. Junge Regisseure und Regieassistenten haben hier die Möglichkeit, mit dem Ensemble eigene Handschriften zu erproben.
aus dem Englischen von Thomas Brovot
Bühnenfassung Calixto Bieito
«1997 war der Computer zum ersten Mal dem Menschen im Schach überlegen.»
Am Ende des 20. Jahrhunderts gipfelte der rasante Fortschritt in Wissenschaft und Technik in einem Duell zwischen Mensch und Maschine. Das menschliche Produkt begann den Menschen selbst zu übersteigen. Hinter dieser Errungenschaft stecken Träume und Albträume des letzten Jahrhunderts, die bis in die Gegenwart nachwirken.
Der chilenische Autor Benjamín Labatut spürt in seinem brillanten Roman aussergewöhnlichen Persönlichkeiten nach, die ihr Leben den unerklärlichen Tiefen von Mathematik und Logik gewidmet und unsere von Technik durchdrungene Gegenwart begründet haben. Im Zentrum der Erzählung steht der Mathematiker John von Neumann, Erfinder der Spieltheorie, Mitentwickler der Atombombe und Vordenker der Künstlichen Intelligenz – «ein Ausserirdischer unter uns». Doch auch Neumann ringt am Ende mit seiner eigenen, banalen Sterblichkeit. Das Menschsein lässt sich dem Menschen nicht austreiben. Labatuts gekonnte Montage von Fakten und Fiktion bringt uns auf die Spur von Menschen, in deren visionären Denken sich Rationalität und Irrationalität kreuzen.
Am Schauspielhaus kommt erstmalig ein Werk Benjamín Labatuts auf die Bühne. Labatuts Schreiben findet in Calixto Bieitos beeindruckendem Engagement für die darstellende Kunst und ihre Sprache seine ideale Übersetzung ins Theater. Mit seinem scharfen Sinn für zeitgenössische Literatur adaptiert der spanische Regisseur den Roman für die Uraufführung im Pfauen. Bieito, bekannt durch seine kompromisslosen Auseinandersetzungen mit dem Menschen und seinen Abgründen, verhandelt die Geschichte unserer technologisierten Welt auf der analogen Bühne – dort, wo sie entstanden ist: unter den Menschen.
REGIE: Calixto Bieito
BÜHNE: Calixto Bieito, Barbora Horáková
KOSTÜME: Paula Klein Keiller
MUSIK: Janiv Oron
VIDEO: Adrià Bieito Cami
LICHT: Markus Keusch, Calixto Bieito
Dramaturgie: Nina Rühmeier
Jahrmarkt im Londoner Stadtteil Soho: Hier entfaltet sich die Halbwelt und Heimat von Gestalten am Rande der Gesellschaft. Hier floriert das Geschäft von Jonathan Jeremiah Peachum. Als Kopf der Bettlermafia hält er nicht nur das Monopol auf Bettellizenzen, sondern stattet die Bettelnden in seiner Boutique auch mit mitleiderregender Mode und Accessoires aus. Seinen Erfolg hat er nicht zuletzt dem Charme und Geschäftssinn seines einzigen Kindes Polly zu verdanken. Kein Wunder also, dass er Pollys Heirat mit dem stadtbekannten Gangster Macheath alias Mackie Messer als existenzielle Bedrohung wahrnimmt. Während Peachum nach Wegen sucht, den Rivalen aus dem Weg zu räumen, schaffen Polly, Frau Peachum und Macheaths alte Liebe Jenny Tatsachen.
DIE DREIGROSCHENOPER, Bertolt Brechts berühmtestes Werk, war 1935 erstmals auf der Pfauenbühne zu sehen. Die europaweit gefeierte Inszenierung der Prager Theatergruppe D35 gastierte in Zürich und löste bei der rechten Nationalen Front eine starke Reaktion aus: Mit Strassenprotesten erzwang diese schliesslich den Abbruch des Gastspiels.
Zum Auftakt der Jubiläumsspielzeit erinnert die Co-Intendantin des Schauspielhauses, Pınar Karabulut, an dessen antifaschistische Tradition und holt Brechts satirische Revue in einer ihrer so glamourösen wie scharfsinnigen Inszenierungen auf die Pfauenbühne zurück.
Unterstützt von der International Music and Art Foundation (IMAF)
aus dem Englischen von Ann Cotten, Mirko Bonné und Ulrike Draesner
«Wenn die allgemeine Welt mich so kennen soll, wie ich will, dass sie mich kennt, mich aus Fleisch und Blut, mich mit der eigentümlichen Philosophie und der unglücklichen Seele, dann muss ich etwas näher an sie herankommen. Dieses hier mein Buch enthält nur eine Figur – mich selbst. Es gibt auch den Teufel – als Möglichkeit.»
Blitzgescheit, charmant, umwerfend schön. Mary MacLane ist ein Ich, wie es ganz sicherlich kein zweites gibt. Nur scheint das ausser ihr selbst leider noch niemand begriffen zu haben. Kein Blatt nimmt Mary MacLane vor den Mund, als sie sich 1902 den Weltschmerz von der Seele schreibt, den Frust über die grauenvolle Perspektivlosigkeit in der Provinz und die gleichgültigen, fantasielosen Menschen dort. Messerscharf philosophiert sie über Kunst und Literatur, Steak und Frühlingszwiebeln, über Lebenssinn und die Schönheit der Natur. In der Ödnis von Montana verfasst die 19-Jährige ein schillerndes Psychogramm, das zwischen Alltagsbeobachtungen und morbiden Fantasien, Euphorie und Traurigkeit schamlos sie selbst ins Zentrum rückt.
«In einer Welt von so vielfältiger Schönheit muss es doch auch etwas für mich geben.» Diese Suche nach der eigenen Subjektivität, dem eigenen Begehren, setzt Mary MacLane Jahre später in einem zweiten Text fort: ICH, geschrieben aus der Perspektive des nun Mitte 30-jährigen Literaturstars, der nach längerer Abwesenheit nach Montana zurückkehrt. Beide Texte verwebt Marie Rosa Tietjen in einer eigenen Fassung und entwickelt gemeinsam mit ihrem Team und einer Schauspielerin des Ensembles ein Solostück.
REGIE: Marie Rosa Tietjen
BÜHNE: Simeon Melchior
KOSTÜME: Aino Laberenz
MUSIK: Lex Landergott
DRAMATURGIE: Rose Reiter
Bewertungen & Berichte Ich erwarte die Ankunft des Teufels
Schauspiel
Der Zauberer von Oz
von Bastian Kraft
nach dem Roman von L. Frank Baum
Premiere: 24.10.2026
Ein Wirbelsturm zieht durch Kansas und reisst die Berghütte der jungen Dorothy, mit ihr darin, hinaus aus einer staubtrockenen Realität, hinein in das schillernde Land Oz. Doch Oz ist dieses Mal kein Märchenreich, sondern ein Filmset: Dorothy bekommt die Hauptrolle angeboten – sie soll Judy Garland spielen, Ikone des Hollywood-Musicals «The Wizard of Oz», gefangen in einer Traumfabrik aus Technicolor und Tabletten. Die Dreharbeiten werden zum Alptraum. Trotzdem tritt Dorothy vor die Kamera und singt mit zurückgehaltenen Tränen von einer Sehnsucht, die wir alle kennen – der Sehnsucht, in uns selbst zu Hause zu sein. Denn so wie die Vogelscheuche sich Verstand wünscht, der Blechmann ein Herz und der feige Löwe Mut, wünschen wir uns doch alle, uns selbst zu genügen. Und während Dorothy den verschlungenen gelben Wegen durch Wälder aus Pappmaché folgt, folgen wir ihr – in der Hoffnung, der Zauberer könne uns geben, was uns fehlt.
Kein Wunder, dass das Land Oz von Aussenseiter*innen bevölkert ist, von queeren Hexen und alleinerziehenden Müttern, autistischen Zauberern und melancholischen Showgirls. Es ist eine Welt, in der plötzlich alle choreografiert zu tanzen beginnen, wie in einem Musical. Und im nächsten Moment den Atem anhalten, weil durch all den Kitsch hindurch der Kinotraum am Gefühl von Schmerz zerfällt. Bei Bastian Kraft wird diese Reise durch Oz zu einer Reise durch einen Traum – hinein in unsere Abgründe und Ängste, verborgen unter Euphorie und Lust.
♥ Unterstützt von der Schwyzer-Winiker Stiftung
REGIE: Bastian Kraft
BÜHNE: Peter Baur
KOSTÜME: Sophie Reble
MUSIK: tracy september
VIDEO: Sophie Lux
DRAMATURGIE: Meloe Gennai
Termine
Sa 24.10.2026, 20:00 | Premiere
So 1.11.2026, 15:00
Fr 6.11.2026, 20:00und weitere Termine
Di 10.11.2026, 20:00
Do 12.11.2026, 20:00
Sa 21.11.2026, 20:00
Mi 25.11.2026, 20:00
A fluid fairy fantasy
von Bastian Kraft und Ensemble nach Hans Christian Andersen
«Wenn die Leute einen Fisch sehen, kommt auch niemand auf die Idee, zu fragen, ob das ein Männlein ist oder ein Weiblein. In einem Aquarium herrschen diesbezüglich paradiesische Zustände: Du wirst in deiner Schönheit bewundert, und niemand will dir zwischen deine Beine schauen.»
Unter Wasser sehen wir Menschen unscharf, Formen verschwimmen, Körpergrenzen lösen sich auf, alles kommt ins Fliessen. Gleiches passiert im Drag, der Kunstform, die durch extravagante Kostüme und Make-up Geschlechterrollen auflöst, Identitäten in Glitzer und Pailletten taucht und vor allem eine atemberaubende Show bietet. Hans Christian Andersens Märchen zeigt eine ebensolche Transformation: Eine Meerjungfrau verliebt sich in einen Menschen und möchte ihren Fischschwanz loswerden. Das Märchen endet bekanntermassen tragisch. Vielleicht spiegelt es Andersens eigenes Schicksal wider, der sein Leben lang in seinen Jugendfreund verliebt war und diese Liebe nie leben konnte. Und gleichzeitig ist es eine Geschichte so alt wie die Menschheit selbst, von Nymphen, Nixen und Wassergeistern, von Verwandlung und der Befreiung aus der zugeschriebenen Rolle.
Der dem Schauspielhaus Zürich bestens bekannte Regisseur Bastian Kraft begeisterte das Publikum in den letzten Jahren mit den Inszenierungen «Andorra» und «Homo Faber» von Max Frisch und «Buddenbrooks» von Thomas Mann. Nun, anstatt der Liebe des Prinzen an Land, sucht Bastian Kraft das Glück im Meer: Mit Spieler*innen aus dem Ensemble und Stars aus der Schweizer Drag Szene liest er die Geschichte der kleinen Meerjungfrau neu und taucht dorthin, wo Biographie und Märchen ineinander fliessen und Drag und Schauspiel zu einer Show de nixe verschwimmen.
Inszenierung: Bastian Kraft
Bühnenbild: Peter Baur
Kostümbild: Sophie Reble
Musik: Björn SC Deigner
Video: Jonas Link
Licht: Michel Güntert
Dramaturgie: Anika Steinhoff, Bendix Fesefeldt
Das Schauspielhaus Zürich ist die grösste Sprechtheaterbühne der Schweiz und eines der renommiertesten Theater im deutschsprachigen Raum. Mit dem traditionsreichen Pfauen in Zürich-Hottingen und dem 2000 eröffneten Schiffbau in Zürich-West verfügt es heute über zwei grosse Häuser in zwei Stadtteilen. Jede Saison stehen rund zwanzig Neuinszenierungen auf dem Spielplan, im Pfauen mit seinen 750 Plätzen wird fast täglich Repertoire geboten, im Schiffbau stehen die Halle (je nach Bestuhlung 400 bis 600 Zuschauer) und die Box (200) für Vorstellungsserien zur Verfügung. Hinzu kommen Inszenierungen in der Kammer im Untergeschoss des Pfauen (70 Plätze), die Produktionen des Jungen Schauspielhauses in der Matchbox im Schiffbau (70 Plätze), sowie Wiederaufnahmen, Gastspiele, Extras und Fremdveranstaltungen. Im Jahr zeigt das Schauspielhaus rund 600 Vorstellungen, bei einer täglichen Gesamtkapazität von bis zu 1500 Plätzen.
Der Pfauen, gegenüber vom Kunsthaus am Heimplatz/Rämistrasse gelegen, ist die grösste Bühne des Schauspielhauses. Architektonisch eine so genannte Guckkastenbühne, bietet der Pfauen – im Parkett, im Rang und in den Logen – bis zu 750 Zuschauern Platz. Zehn Neuinszenierungen pro Saison stehen auf dem Spielplan, fast täglich wird auf der Pfauenbühne gespielt. Neben bekannten Klassikern – Antike, Shakespeare-Zeit, deutsche Klassik und klassische Moderne – sind vermehrt auch neue Stücke und Uraufführungen Teil des Pfauen-Repertoires.
Im Untergeschoss des Pfauen betreibt das Schauspielhaus eine weitere kleine Theaterbühne – die Kammer: Im Sommer 2006 wurde sie umgebaut und neu ausgestattet und bietet nun Platz für ca. 70 Zuschauer. Junge Regisseure und Regieassistenten haben hier die Möglichkeit, mit dem Ensemble eigene Handschriften zu erproben.
An der Theaterkasse im Pfauen-Foyer können Sie Karten für alle Veranstaltungen des Schauspielhauses erwerben, für den Pfauen wie für den Schiffbau.