Das Klavier-Festival Ruhr ist das größte Festival für Klaviermusik weltweit. Seit seiner Gründung im Jahr 1989 vereint es jeden Sommer internationale Stars der Szene, vielversprechende Nachwuchstalente, Preisträger renommierter Wettbewerbe sowie außergewöhnliche musikalische Konzepte.
Rund 60 Konzerte in traditionsreichen Konzertsälen, in Industriedenkmälern, auf Kleinkunstbühnen und in Museen im Ruhrgebiet sowie in Düsseldorf, Wuppertal und Umgebung werden jedes Jahr von ca. 40.000 Musikfreunden besucht. Sie alle eint die Begeisterung für Klaviermusik auf höchstem Niveau.
Ob Wiener Klassiker, Barock, Romantik oder zeitgenössische Musik, ob Jazz oder Pop, Solorezital, Kammermusik, mit Band oder Orchester oder Klavier & Elektronik – das Festival bildet die gesamte stilistische und klangliche Vielfalt der Tasteninstrumente ab.
Das Fachmagazin Fono Forum bezeichnet das Klavier-Festival Ruhr als „weltweit bedeutendstes Klavierfestival“, und Starpianist Igor Levit nennt es „die beste Klavierparty überhaupt“.
eine Education-Präsentation mit Werken von Béla Bartók, György Kurtág und anderen Komponisten
Schülerinnen und Schüler aus Bochum (Tanz, Musik und Kunst)
Lorenzo Soulès (Klavier)
Veronique De Raedemaeker (Violine)
Alexander Declercq (Klarinette)
Erika Pico (Choreografie)
Bianca Pulungan (Choreografie)
An diesem Abend zeigen rund 65 Kinder und Jugendliche aus dem Bochumer Norden eine Tanzchoreografie, die sie unter der Leitung von Erika Pico und Bianca Pulungan zu Werken unter anderem von Béla Bartók und György Kurtág erarbeitet haben.
Die Schülerinnen und Schüler der Frauenlobschule, der Hilda-Heinemann-Schule, der Anne-Frank-Realschule und des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums werden von Lorenzo Soulès (Klavier), Veronique de Raedemaeker (Violine) und Alexander Declercq (Klarinette) begleitet.
Ab 17 Uhr werden im Kleinen Saal des Musikforums bildnerische und musikalische Arbeiten vorgestellt, die Schülerinnen und Schüler des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums und der Hilda-Heinemann-Schule im Rahmen des Projekts gestaltet haben.
Wir freuen uns auf einen Abend voller Musik, Tanz und inspirierender Begegnungen.
Pierre-Laurent Aimard, Pavel Kolesnikov & Samson Tsoy
Doppelkonzert im Package
György Kurtág:
Játékok (Auswahl)
Johann Sebastian Bach (Bearb. György Kurtág):
Choral-Bearbeitungen
und weitere Werke von György Kurtág, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart und anderen
Als enger künstlerischer Weggefährte des ungarischen Komponisten ist kaum jemand so befähigt, Kurtágs intime musikalische Welt (und ihre Geheimnisse) vorzustellen wie Pierre-Laurent Aimard. In seinem Rezital nutzt er die Möglichkeiten unterschiedlicher Instrumente wie Flügel, Celesta oder Pianino, um eine beinahe traumartige Atmosphäre zu schaffen, in der er Kurtágs musikalische Beziehungen zu Komponistenkollegen wie Schubert oder Mozart zum Klingen bringt.
Auch die Pianisten Pavel Kolesnikov und Samson Tsoy lassen die zarte Intimität von Kurtágs Musik deutlich zutage treten. In ihrem subtil gestalteten Duo-Rezital kombinieren sie aphoristische Stücke aus Kurtágs „Játékok“ („Spiele“) mit dessen faszinierenden Bach-Bearbeitungen, die Kurtág ursprünglich für den Hausgebrauch und das private Musizieren mit seiner Frau Márta geschrieben hat.
Die Nähe und Intimität der Musik wird durch das Zusammenrücken von Künstlern und Zuhörern betont: Kolesnikov und Tsoy laden die Konzertbesucher ein, mit ihnen auf der Bühne Platz zu nehmen, Aimard setzt sich mit den unterschiedlichen Instrumenten mitten ins Publikum.
Genießen Sie beide Konzerte in einem flexiblen Paket und entscheiden Sie selbst über die Reihenfolge. Sie haben die Wahl, ob Sie ab 18 Uhr zunächst Pavel Kolesnikov und Samson Tsoy und anschließend Pierre-Laurent Aimard erleben oder ob Sie ab 19:30 Uhr erst Pierre-Laurent Aimard und dann Pavel Kolesnikov und Samson Tsoy hören möchten.
Dauer: 70 Minuten
Termine
Sa 21.2.2026, 18:00 | Ticket
Sa 21.2.2026, 19:30 | Ticket
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Klavierkonzert
Die Welt des György Kurtág
Pierre-Laurent Aimard, Anna Prohaska, Isabelle Faust
Pierre-Laurent Aimard (Klavier)
Lorenzo Soules (Klavier)
Isabelle Faust (Violine)
Anna Prohaska (Sopran)
Gerrie de Vries (Gesang)
Schülerinnen u. Schüler des Education-Programms aus Duisburg-Marxloh (Tanz)
Petra Jebavy (Choreographische Leitung)
György Kurtág:
Acht Klavierstücke, Op. 3
„Samuel Beckett: What is the Word“, Op. 30b
Auswahl aus „Játékok“, Bücher 10 und 11
Kafka-Fragmente, Op. 24
Pierre-Laurent Aimard arbeitet seit Jahrzehnten eng mit György Kurtág zusammen. „Seine Fähigkeiten als Pianist sind im Grunde grenzenlos, aber noch wichtiger ist seine akribische Aufmerksamkeit, Sorgfalt und intellektuelle Qualität“, sagt der für seine hohen Ansprüche bekannte Komponist über Aimard. Mit der Sopranistin Anna Prohaska, Isabelle Faust an der Violine und weiteren Spitzenmusikern hat der französische Pianist sich für den Sonntag eine hochkarätige Besetzung zusammengestellt, um Musik aus allen Schaffensphasen Kurtágs vorzustellen.
Ob es die „Acht Klavierstücke“ aus dem Frühwerk, die Beckett-Vertonung „What is the Word“, die Kafka-Fragmente aus der mittleren Schaffensphase oder aktuelle Werke sind: Aimard und seine Mitstreiter teilen ihre Faszination für das Kurtág-Werk mit uns. Dass auch allerneueste Klavierstücke aus dem noch nicht erschienenen 11. Band der „Játékok“ zu hören sein werden, ist ein ganz besonderes musikalisches Bonbon.
Ein Vortrag des Musikwissenschaftlers und Kurtág-Spezialisten Prof. Dr. Ulrich Mosch sowie ein mit Live-Musikbeispielen gespickter Augenzeugenbericht aus erster Hand von Pierre-Laurent Aimard illustrieren die außergewöhnlich enge Zusammenarbeit, die Kurtág mit Musikern pflegt.
ab 15:30 Uhr | Eintritt frei
Vortrag mit Filmbeispielen: Prof. Dr. Ulrich Mosch
In einem abwechslungsreichen Vortrag mit Ausschnitten aus Dokumentarfilmen und teilweise unveröffentlichten Videoaufnahmen gibt der Kurtág-Spezialist Ulrich Mosch Einblicke in die ungewöhnliche Arbeitsweise des Komponisten mit Musikern.
ab 16:30 Uhr | Eintritt frei
Vortrag mit Musik: Pierre-Laurent Aimard
Pierre-Laurent Aimard führt uns – unterstützt von Musikbeispielen – in die Werkstatt des Komponisten und verrät im Gespräch, warum er trotz übervollen Terminkalenders bis heute regelmäßig nach Budapest fährt, um mit Kurtág zusammenzuarbeiten.
18 Uhr
Konzertbeginn
Das Konzert wird von einem Education-Beitrag unter der Leitung der Choreografin Petra Jebavy eröffnet, gefolgt von Pierre-Laurent Aimard, Anna Prohaska und Isabelle Faust.
Termine
So 22.2.2026, 15:30 | Vortrag
So 22.2.2026, 16:30 | Vortrag
So 22.2.2026, 18:00 | Konzert | Ticket
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 30 in E-Dur, Op. 109
Johannes Brahms:
3 Intermezzi, Op. 117
Fantasien, Op. 116
Johann Sebastian Bach:
Chaconne, aus Partita für Violine Nr. 2 in d-Moll, BWV 1004 (Arr. Ferruccio Busoni)
Ein Abend mit Hélène Grimaud ist immer mehr als ein Konzert. Es ist eine Begegnung mit einer Künstlerin, die Grenzen überschreitet, die nicht einfach spielt, sondern neu erschafft. Grimaud ist eine Suchende – als Synästhetikerin hört sie Farben, spürt Klänge und gestaltet Musik als lebendigen Kosmos.
Geboren 1969 in Aix-en-Provence, wurde sie früh von Daniel Barenboim gefördert und entwickelte sich zu einer der faszinierendsten Persönlichkeiten der internationalen Musikszene. Neben ihrer pianistischen Karriere engagiert sie sich leidenschaftlich für den Naturschutz und gründete das „Wolf Conservation Center“ in den USA. Diese Verbindung von Natur und Kunst prägt ihre Haltung: Musik ist für sie kein Dekor, sondern ein existenzieller Dialog.
An diesem Abend schlägt Grimaud einen großen Bogen durch die Musikgeschichte. Sie beginnt mit Beethovens Sonate Nr. 30 in E-Dur, Op. 109 – einem Werk aus der späten Schaffensphase des Komponisten, in dem lyrische Innigkeit und formale Kühnheit verschmelzen. Darauf folgen die drei Intermezzi, Op. 117 von Johannes Brahms, die der Komponist selbst als „Wiegenlieder meiner Schmerzen“ bezeichnete: intime Miniaturen voller Wärme und Melancholie.
Nach der Pause erklingen die sieben Fantasien, Op. 116, ebenfalls von Brahms – Stücke, die zwischen stürmischer Leidenschaft und kontemplativer Ruhe changieren und die emotionale Vielschichtigkeit des Komponisten offenbaren. Den Abschluss bildet Johann Sebastian Bachs monumentale Chaconne aus der Partita für Violine Nr. 2 in d-Moll, BWV 1004, in der Bearbeitung von Ferruccio Busoni. In dieser Klavierfassung wird die Chaconne zu einem orchestralen Kosmos, der den Abend in überwältigender Größe beschließt.
mit dem WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Omer Meir Wellber, Guy Mintus und Jakob Reuven
Yulianna Avdeeva (Klavier)
Guy Mintus (Klavier)
WDR Sinfonieorchester
Omer Meir Wellber (Leitung & Akkordeon)
Jakob Reuven (Mandoline)
Béla Bartók:
Klavierkonzert Nr. 3 in E-Dur, Sz. 119
Ludwig van Beethoven:
Tripelkonzert in C-Dur, Op. 56 (arr. Guy Mintus für Mandoline, Klavier und Akkordeon)
Rhythmische Energie, raffinierte Orchesterbehandlung und eine Nähe zur Volksmusik: Die drei Klavierkonzerte von Béla Bartók bilden einen eindrucksvollen Bogen seiner schöpferischen Entwicklung. An diesem Abend erklingt das dritte Konzert in E-Dur, Sz. 119 – ein Werk, das Bartók 1945 in den letzten Monaten seines Lebens schrieb. Es ist heller, lyrischer und von einer fast versöhnlichen Stimmung geprägt, als wollte der Komponist noch einmal die Schönheit des Lebens beschwören.
Am Klavier: Yulianna Avdeeva, eine Künstlerin, die seit ihrem Sieg beim Internationalen Chopin-Wettbewerb 2010 für ihre kompromisslose Klarheit und emotionale Tiefe gefeiert wird. Avdeeva verbindet analytische Präzision mit einer großen Ausdruckskraft – Eigenschaften, die Bartóks komplexe Klangwelt ideal zur Geltung bringen. Im Konzerthaus Dortmund wird sie begleitet vom WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Omer Meir Wellber, einem Dirigenten, der für seine unkonventionellen Ideen und seine Leidenschaft für musikalische Grenzgänge bekannt ist.
Im zweiten Teil öffnet sich die Bühne für ein Experiment: Beethovens Tripelkonzert in C-Dur, Op. 56 erscheint in einem völlig neuen Licht – in einem Arrangement von Guy Mintus für Jazzpiano, Akkordeon und Mandoline. Gemeinsam mit Wellber gestalten Mintus und der Mandolinist Jakob Reuven eine faszinierende Begegnung zwischen Klassik und Improvisation. Hier verschmelzen Beethoven und Jazz, Tradition und Innovation zu einem lebendigen Dialog, der die Grenzen des Konzertsaals sprengt.
Ludwig van Beethoven:
Werkauswahl sind Teil des Experience Day
Wäre das nicht großartig, Ludwig van Beethoven persönlich zu treffen, und ihm Fragen zu seinem Leben und seiner Musik stellen zu können? Beim „Beethoven Experience Day“ ist zumindest der Geist des Komponisten auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen zwischen Förderturm und Kokskohlenbunker unterwegs, wenn der Dirigent Jan Caeyers, der Pianist Kit Armstrong und Musiker aus dem Orchester Le Concert Olympique in Beethovens musikalisches Universum einladen.
Der belgische Dirigent und Musikwissenschaftler Jan Caeyers ist der Beethoven-Experte schlechthin. In seiner Biografie „Beethoven: Der einsame Revolutionär“ legt er die Gedanken- und Gefühlswelt des Komponisten detailreich und höchst anschaulich offen, und mit seinem 2010 gegründeten Orchester Le Concert Olympique hat er sich ganz den Werken von Beethoven verschrieben. Für Caeyers ist Beethovens Musik so extraordinär, weil sie – anders als bei manch anderem Komponisten – Emotion und Intellekt immer miteinander verbindet. Und auch der amerikanische Pianist Kit Armstrong ist ein echter Beethoven-Bewunderer: Er sagt, er fühle sich durch dessen Musik stets aufs Neue herausgefordert, weil sie Dinge ausdrücke, über die er nie nachgedacht habe, sie dann am Klavier aber als Pianist verkörpern könne.
Zusammen haben sich Caeyers und Armstrong mit ihrem über mehrere Jahre laufenden Projekt „Beethoven27“ das Ziel gesetzt, bis 2027, wenn die Musikwelt Beethovens 200. Todestag begeht, die Biografie des Komponisten klingend nachzuvollziehen – und dabei auch andere Herangehensweisen zu wählen als die der klassischen Konzertsituation. Beim „Beethoven Experience Day“ auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen wird genau das Realität: In einer „Werkstatt-Runde“ können Besucher an verschiedenen Stationen in Beethovens Musikwelt eintauchen. Sowohl Schülerinnen und Schüler der Folkwang Musikschule werden als Kammermusikensembles spielen, genauso wie auch Studierende der Folkwang Universität der Künste und eine Gruppe von erwachsenen Laien. Und dann heißt es: sich treiben lassen, zwischen diesen Kammermusikstationen umherwandeln und dabei sein, wenn Jan Caeyers, Kit Armstrong und Mitglieder von Le Concert Olympique die unterschiedlichen Ensembles unterrichten. Ganz nah dran am Probenprozess kann man unmittelbar erleben, wie Beethovens Musik Gestalt annimmt, und nebenbei allerlei darüber erfahren, in welcher Lebenssituation der Komponist die entsprechenden Werke geschrieben hat.
Nach der „Werkstatt-Runde“ sind dann am Nachmittag vom „Beethoven Experience Day“ in der „Beethoven-Runde“ die Profis aus dem Orchester Le Concert Olympique dran: Sie musizieren und präsentieren im Gespräch an mehreren Stationen frühe, mittlere und späte Kammermusikwerke von Ludwig van Beethoven. Für Jan Caeyers ist es dabei besonders wichtig, ein breites Publikum für den Schaffensprozess und die Entstehungsumstände von Beethovens Werken zu begeistern – und zwar immer in wissenschaftlich fundierter und gleichzeitig unterhaltsamer Art und Weise.
Am folgenden Tag steht im Anneliese Brost Musikforum in Bochum Beethovens „Eroica“ im Fokus. Besonders bekannt ist die Anekdote, dass Beethoven seine 3. Sinfonie ursprünglich Napoleon habe widmen wollen. Als der sich dann aber zum Kaiser krönen ließ, soll Beethoven voller Wut ausgerufen haben: „Ist der auch nichts anders, wie ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten.“
Wie viel an dieser Geschichte dran ist, warum Beethoven seine Sinfonie später „Sinfonia Eroica“ nennt und welcher Held im Trauermarsch, dem zweiten Satz, zu Grabe getragen wird: All das sind Fragen, die sich um Beethovens 3. Sinfonie ranken. Jan Caeyers bringt in einer Podiumsdiskussion vor dem Konzert Licht ins Dunkel und erläutert außerdem sein Projekt „Beethoven27“. Anschließend erklingen dann Beethovens „Eroica-Variationen“ am Klavier mit Kit Armstrong und die Eroica-Sinfonie in einer kammermusikalischen Fassung als Klavierquartett, die der Beethoven-Schüler Ferdinand Ries angefertigt hat.
Und wenn Sie Beethovens Musik am „Beethoven Experience Day“ in der Essener Zeche Zollverein von vielen Seiten betrachtet und bei Podiumsdiskussion und Konzert im Bochumer Anneliese Brost Musikforum Ihre Eindrücke vertieft haben: Dann werden Sie sich vielleicht doch so fühlen, als hätten Sie Beethoven höchstpersönlich getroffen.
Wolfgang Amadeus Mozart:
Fantasie in c-Moll, KV 475
Adagio in h-Moll, KV 540
Fantasie in d-Moll, KV 397
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 8 in c-Moll, Op. 13 “Pathétique”
Frédéric Chopin:
Nocturne in Es-Dur, Op. 55 Nr. 2
Drei Mazurken, Op. 59
Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35
Bei Ivo Pogorelich hat man oft den Eindruck, dass er Musik nicht einfach spielt, sondern neues Licht auf sie wirft. Er interpretiert bekanntes Repertoire so individuell und tiefgründig, dass selbst vertraute Werke wie Neuentdeckungen erscheinen. Seine Phrasierungen, Tempi und Dynamik sind oft überraschend, manchmal eigenwillig, aber stets Ausdruck einer kompromisslosen künstlerischen Überzeugung.
Pogorelich wurde 1958 in Belgrad geboren und sorgte bereits früh für Aufsehen: Als er 1980 beim Chopin-Wettbewerb in Warschau nicht ins Finale kam, verließ Martha Argerich aus Protest die Jury – ein Skandal, der Pogorelich schlagartig weltbekannt machte. Seitdem gilt er als einer der faszinierendsten Pianisten unserer Zeit, ein Künstler, der sich jeder Norm entzieht und mit radikaler Individualität Maßstäbe setzt.
Das Programm dieses Abends in der Stadthalle Mülheim spiegelt Pogorelichs Vorliebe für Werke wider, die Raum für Interpretation und Ausdruck bieten. Den Auftakt bilden drei Fantasien von Wolfgang Amadeus Mozart – die Fantasie in c-Moll, KV 475, das Adagio in h-Moll, KV 540 und die Fantasie in d-Moll, KV 397. Diese Stücke sind geprägt von freier Form und emotionaler Tiefe, ideale Felder für Pogorelichs gestalterische Freiheit.
Es folgt Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 8 in c-Moll, Op. 13, die „Pathétique“. Ein Werk, das mit seinem dramatischen Gestus und lyrischen Mittelsatz bis heute zu den beliebtesten Sonaten des Komponisten zählt. Pogorelichs Interpretation verspricht hier eine neue Perspektive auf ein scheinbar vertrautes Meisterwerk.
Nach der Pause erklingen Werke von Frédéric Chopin: das Nocturne in Es-Dur, Op. 55 Nr. 2, drei Mazurken, Op. 59, und die große Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35 – mit dem berühmten Trauermarsch. Chopins Musik, oft als Inbegriff romantischer Empfindsamkeit verstanden, wird bei Pogorelich zu einem dramatischen Kosmos voller Kontraste und innerer Spannung.
Kit Armstrong (Klavier)
Jan Caeyers (Moderation)
Friedemann Breuninger (Violine)
Florian Peelman (Viola)
Franz Ortner (Violoncello)
Ludwig van Beethoven:
15 Variationen für Klavier in Es-Dur, Op. 35 „Eroica-Variationen“
Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur, Op. 55 „Eroica“ (Arr. Ferdinand Ries für Klavierquartett)
Anschließend an den Beethoven Experience Day steht am 10. Mai im Anneliese Brost Musikforum in Bochum Beethovens „Eroica“ im Fokus. Besonders bekannt ist die Anekdote, dass Beethoven seine 3. Sinfonie ursprünglich Napoleon habe widmen wollen. Als der sich dann aber zum Kaiser krönen ließ, soll Beethoven voller Wut ausgerufen haben: „Ist der auch nichts anders, wie ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten.“
Wie viel an dieser Geschichte dran ist, warum Beethoven seine Sinfonie später „Sinfonia Eroica“ nennt und welcher Held im Trauermarsch, dem zweiten Satz, zu Grabe getragen wird: All das sind Fragen, die sich um Beethovens 3. Sinfonie ranken. Jan Caeyers bringt in einer Podiumsdiskussion vor dem Konzert Licht ins Dunkel und erläutert außerdem sein Projekt „Beethoven27“. Anschließend erklingen dann Beethovens „Eroica-Variationen“ am Klavier mit Kit Armstrong und die Eroica-Sinfonie in einer kammermusikalischen Fassung als Klavierquartett, die der Beethoven-Schüler Ferdinand Ries angefertigt hat.
Und wenn Sie Beethovens Musik am „Beethoven Experience Day“ in der Essener Zeche Zollverein von vielen Seiten betrachtet und bei Podiumsdiskussion und Konzert im Bochumer Anneliese Brost Musikforum Ihre Eindrücke vertieft haben: Dann werden Sie sich vielleicht doch so fühlen, als hätten Sie Beethoven höchstpersönlich getroffen.
16:30 Uhr: Gespräch mit Kit Armstrong und Jan Caeyers; Moderation: David Eisermann
Ludwig van Beethoven:
Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 in A-Dur,
Op. 12
Sonate für Violine und Klavier Nr. 7 in c-Moll, Op. 30
Maurice Ravel:
„Oiseaux tristes“ & „Alborada del gracioso“, aus „Miroirs“, M. 43
Johannes Brahms:
Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 in d-Moll, Op. 108
Mit ihrem Zyklus der Beethoven-Violinsonaten haben sich Fabian Müller und Bomsori Kim in die Herzen des Publikums gespielt. Für das Klavier-Festival Ruhr kombinieren sie im Robert-Schumann-Saal Düsseldorf ausgewählte Werke daraus mit Meisterwerken von Ravel und Brahms – ein Programm, das die ganze Bandbreite kammermusikalischer Ausdruckskraft entfaltet.
Fabian Müller zählt zu den herausragenden deutschen Pianisten seiner Generation. Seit seinem Erfolg beim ARD-Musikwettbewerb 2017 hat er sich als sensibler Klanggestalter etabliert, dessen Spiel durch Klarheit und emotionale Tiefe besticht. Bomsori Kim, vielfach preisgekrönt und international gefeiert, verbindet technische Brillanz mit einer warmen, leuchtenden Tongebung, die ihre Interpretationen unverwechselbar macht. Gemeinsam bilden sie ein Duo, das durch seine musikalische Intensität und sein feines Gespür für Dialog begeistert.
Der Abend beginnt mit zwei Violinsonaten von Ludwig van Beethoven: die Sonate Nr. 2 in A-Dur, Op. 12 Nr. 2, die mit jugendlicher Frische und tänzerischem Schwung bezaubert, und die Sonate Nr. 7 in c-Moll, Op. 30 Nr. 2, ein Werk von dramatischer Kraft und leidenschaftlicher Tiefe. Danach entführt Maurice Ravel in die Welt des Impressionismus: „Oiseaux tristes“ und „Alborada del gracioso“ aus dem Zyklus “Miroirs“ sind Klanggemälde voller Farben und rhythmischer Raffinesse, die die Fantasie beflügeln. Den Abschluss bildet Johannes Brahms mit seiner dritten Violinsonate in d-Moll, Op. 108 – Musik von herbstlicher Wärme und innerer Größe, die in der subtilen Balance zwischen Leidenschaft und Nachdenklichkeit ihre ganze Schönheit entfaltet.
„Kammermusik ist für mich wie ein Gespräch unter Freunden – ehrlich, intensiv und voller Überraschungen“, sagt Fabian Müller. Genau diese Haltung prägt den Abend: ein musikalischer Dialog, der sich zwischen den Welten von Klassik, Impressionismus und Romantik entspinnt.
Helge Schneider & Band
Sandro Giampietro (Gitarre)
Leo Richartz (Bass)
Bringt unser „Klimperclown“ jetzt den Enkeln Tischsitten bei? Zuzutrauen wär’s ihm. Liegt doch das Wohl und Wehe von Kindern dem Musik-Comedian und Meister des Stand-up-Klamauks, der unlängst 70 wurde, von jeher am Herzen. Zu Beginn seiner Karriere etwa machte Helge Schneider sich Kids gegenüber durch geradezu väterliche Fürsorge verdient: „1994 hatte ich diesen Fernsehauftritt bei Wetten, dass …?“, und auf einmal war ich berühmt. Take That wohnten im selben Hotel. Da waren 15-jährige Mädchen vor dem Hotel, die waren aus Freiburg nach Hof getrampt mit ihren Schlafsäcken, immerhin 500 Kilometer! Die wussten nicht, wo sie schlafen sollten, und legten sich im Hotelflur hin. Da hab ich denen gesagt: ,Hier, nehmt mein Zimmer, aber ihr müsst euren Eltern Bescheid sagen!’ Und ich bin nach Hause gefahren.“
In dem parodistisch-autobiografischen Streifen „The Klimperclown“, den er mit seinem Gitarristen Sandro Giampietro drehte, blickt Schneider zum „70.“ auf seine Klimperclown-Werdung zurück. An die erinnert sich auch so mancher Musikfreund aus dem Ruhrgebiet in den Achtzigern. Welcher jazzversessene Kneipengänger im Revier wäre nicht schon mal dabei gewesen, wenn Helge auf zahllosen Sessions im Essener Alexander oder Bahnhof Süd jammte, im KuFo mit seinem Trio Standards spielte. Nicht als „Johnny Flash“ oder „singende Herrentorte“, wie er sich nannte, nicht als Komiker mit Witz zum Aua-Schreien, sondern als lupenreiner Jazzer. Wobei er mal auf dem Klavier-, mal auf dem Drum-Schemel Platz nahm, mal an Saxofon oder Trompete, dann wieder am Kontrabass zu erleben war.
Das breitgefächerte Instrumentarium, das er zumindest elementar beherrscht, hat er mit der Zeit enorm erweitert, immer nach dem jazzgerechten Prinzip der Improvisation, von dem bekanntlich auch seine Stand-up-Comedy lebt. „Ich improvisiere. Ich arbeite im Sinne der Improvisation und des Jazz. Für mich bedeutet Jazz Bewegung, und auch meine Komik ist für mich Jazz. Ich spiele einfach drauflos, bringe meine Erfahrung ein und habe immer Lust, neue Sachen zu lernen. Das ist die Hauptsache: dass man nie stillsteht, nie zurückblickt und sagt: ,Jetzt ist gut’. Es muss immer weitergehen.“
Und weiter geht’s. Mit seinen 70 Jahren ist Schneider anscheinend kaum gealtert, im Gegenteil. Mit dem Spieltrieb, den er sich erhalten hat, mit seinem Sinn für Blödsinn, Schabernack und aberwitzige Geschichten scheint er auf immer Kind bleiben zu wollen. In seinen Programmen wechseln sich swingender Jazz und romantische, schlagerparodistische Lieder ab mit hanebüchenem Nonsens. „Ich rede immer noch gerne Quatsch und mache Unsinn. Ich würde nicht sagen, dass wir wirklich ernsthaft Musik machen. Es ist sehr viel Spaß dabei.“ Und dass der Spaß bleibt, liegt wiederum an Helges Talent zur Improvisation. „Sobald man improvisiert, denken die Leute, jeder könnte das. Improvisation ist ein Talent, das schon immer unterschätzt wurde. Ich habe Talent, bin aber faul und könnte viel besser spielen, wenn ich mich irgendwann mal wirklich hingesetzt und geübt hätte. Weil ich faul bin, habe ich meine Improvisationskünste vorangetrieben, bin aber nie perfekt.“
Die Teilnahme am Soloklavierwettbewerb beim Montreux Jazz Festival 2006 wurde für den kubanischen Pianisten Alfredo Rodriguez zum Start einer internationalen Karriere. Denn dort entdeckte die Producer-Legende Quincy Jones den damals 21-Jährigen, nahm sich seiner an und koproduzierte seine ersten Alben. Bald nach dem Montreux-Auftritt gründete er sein erstes Trio. Längst lebt er in Los Angeles und verfolgt von dort aus seine künstlerischen Aktivitäten, darunter Auftritte mit den ganz Großen des Jazz. Unter seine eigenen Stücke mischt er gerne kubanische „Klassiker“ und stellt Evergreens wie „Guantanamera“, „Besame mucho“ oder „Quizás, quizás, quizás“ in ein völlig neues Licht. Begleitet wird er von exzellenten Musikern aus der Exilkubanerszene in Madrid.
Tobias Bleek & Anna Storm (Vortrag)
Olli Mustonen (Klavier)
Am Nachmittag des Konzertabends können Sie Olli Mustonen in einem ungewöhnlichen Setting erleben. Im Von der Heydt-Museum begibt er sich an der Seite der stellvertretenden Museumsdirektorin Dr. Anna Storm und des Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Tobias Bleek auf eine Reise in die jazzbegeisterten 1920er Jahre.
Das Fenster in die Zeit bildet ein Schlüsselwerk der Museumssammlung: „An die Schönheit“ von Otto Dix. Ein eigentümliches Selbstporträt aus dem Jahr 1922, das den jungen Maler inmitten einer illustren Gesellschaft zeigt, die bei näherer Betrachtung eigentümlich grotesk wirkt. Besonders ins Auge springt ein schwarzer Schlagzeuger, der in seiner überzeichneten Darstellung wie eine Karikatur wirkt.
Wer sich dahinter verbirgt, was uns das Gemälde über die Jazzkultur der Weimarer Republik verrät und auf welche Weise es gesellschaftliche Entwicklungen der Zeit messerscharf zusammenfasst, erläutern die beiden 1920er-Jahre-Experten Storm und Bleek im Dialog. Wie der Dix-Freund Erwin Schulhoff und andere junge Komponisten in ihren Klavierwerken auf das Jazzfieber Bezug nahmen und Brücken zur bildenden Kunst bauten, führt Olli Mustonen eindrucksvoll vor Ohren.
Olli Mustonen (Klavier)
Antti Tikkanen (Violine)
Minna Pensola (Violine)
Atte Kilpeläinen (Viola)
Tomas Djupsjöbacka (Cello)
Sergej Prokofiew:
Sonate Nr. 5, Op. 38 (Version von 1923)
Olli Mustonen:
Klavierquintett
Antonín Dvořák:
Klavierquintett in A-Dur, Op. 81
Pianist, Komponist und Dirigent – ganz bewusst sieht sich der Finne Olli Mustonen in der Tradition großer Musiker des 19. Jahrhunderts wie Sergei Rachmaninow, der ebenfalls in allen drei Disziplinen hervorgetreten ist. Und er wird nicht müde zu betonen, wie sehr sich die drei Tätigkeiten gegenseitig befruchten, wie er aus der Arbeit mit dem Orchester Inspirationen für sein Klavierspiel und sein Komponieren zieht, wie umgekehrt interpretatorische und artikulatorische Entdeckungen am Klavier seine Orchesterarbeit und sein Komponieren beeinflussen. Im Interview sagte er einmal: „Ich denke, es hilft, dass ich die Musik sowohl aus der Perspektive eines Pianisten als auch aus der eines Komponisten betrachte. Und wie man mit zwei Augen mehr Dimensionen wahrnimmt als mit nur einem – so sehe ich auch in der Musik mehr Tiefe.“
Nach Wuppertal kommt Mustonen mit seinen Landsleuten vom Meta4 Streichquartett, das mit seiner extrovertierten Spiellust weltweit für Furore sorgt. Gemeinsam musizieren sie Mustonens Klavierquintett von 2014, ein überaus effektvolles Stück von unwiderstehlicher rhythmischer Vitalität. Außerdem erklingt Antonín Dvořáks Klavierquintett Op. 81, das mit seiner einzigartigen Verbindung von tschechischer Volksmusik, klassischer Formkunst und lyrischer Erfindungskraft immer wieder zu begeistern vermag.
Am Nachmittag des Konzertabends können Sie Olli Mustonen übrigens bereits in intimerem Rahmen erleben: Im Von der Heydt Museum begleitet er gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Tobias Bleek und der stellvertretenden Museumsdirektorin Anna Storm eine Führung sowie einen Vortrag zum Werk von Otto Dix.
mit Veronika Eberle (Violine) & Julia Hagen (Violoncello)
Johannes Brahms:
Trio für Klavier, Violine und Violoncello
Nr. 3 in c-Moll, Op. 101
Franz Schubert:
Trio für Klavier, Violine und Violoncello in Es-Dur, D 929
Dmitrij Schostakowitsch:
Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 1 in c-Moll, Op. 8
Er stammt aus dem Epizentrum der klassischen Musik, denn er ist ein echter Wiener – wie seine musikalischen Ahnen Friedrich Gulda, Paul Badura-Skoda und Till Fellner. Kein Wunder, dass Lukas Sternath es als „sehr großes Privileg“ ansieht, „dass ich meinen Traum leben darf. Zuerst war Klavierspielen nur ein Hobby, und irgendwie hat das immer sehr viel Spaß gemacht. Davon leben zu können, ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.“ Angefangen hatte seine musikalische Laufbahn allerdings als Wiener Sängerknabe, und bis heute ist die menschliche Stimme sein musikalisches Ideal.
Doch wie alle großen Künstler, so hat auch Sternath seine Heimat verlassen, um in der Ferne seine Studien voranzutreiben. So kommt er 2022, das Jahr, in dem er den ARD-Wettbewerb für sich entscheidet, nach Hannover und wird Schüler von Igor Levit. Dieser motiviert Sternath zum ständigen Hinterfragen: „Was möchte der Notentext, was möchte ich daraus ableiten?“ Zwischen Levit und Sternath entwickelt sich kein klassisches Lehrer-Schüler-Verhältnis, sondern ein Austausch, der von Dialog geprägt ist
Lukas Sternath zählt zu jenen Pianisten, die achtsam mit sich selbst umgehen: offen sein und neugierig bleiben, die eigene Freiheit wahren, weil sie Spontaneität erlaubt. Am liebsten würde er Programme spielen, über die er erst am Morgen des Konzerts nachdenken möchte, wie im Jazz.“
Michael Wollny (Klavier)
Nils Landgren (Posaune)
Lars Danielsson (Bass)
Wolfgang Haffner (Schlagzeug)
Vier Musiker, vier Stimmen, ein Klangfeuerwerk: Michael Wollny, Nils Landgren, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner lassen keinen Moment stillstehen. Mal funky, mal poetisch, immer voller Energie spürt man die Freude am Zusammenspiel in jedem Ton. Es ist, als würde man live zusehen, wie Musik entsteht – spontan, überraschend, echt.
Michael Wollny gilt als einer der kreativsten Jazzpianisten Europas, ein Klangforscher, der Grenzen sprengt und sich in jedem Projekt neu erfindet. Nils Landgren, der „Mann mit der roten Posaune“, ist seit Jahrzehnten eine Ikone des Jazz – bekannt für seine unverwechselbare Mischung aus Groove und Charme. Lars Danielsson, Meister des Kontrabasses und Cellos, bringt lyrische Tiefe und melodische Eleganz ins Spiel, während Wolfgang Haffner mit seinem unverkennbaren Schlagzeugstil den Puls vorgibt.
Was diese vier verbindet, ist die Lust am Risiko: kein festes Korsett, sondern ein musikalisches Abenteuer, das sich aus dem Moment heraus entwickelt. „Wir wollen nicht einfach spielen, wir wollen Geschichten erzählen – und das jedes Mal neu“, sagt Michael Wollny. Genau das macht diesen Abend im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen so besonders: Hier entsteht Musik vor den Augen des Publikums, voller Überraschungen und Emotionen.
Johannes Brahms:
Sonate Nr. 3 in f-Moll, Op. 5
Frédéric Chopin:
Nocturne Nr. 20 in cis-Moll, Op.posth
Scherzo Nr. 2 in b-Moll, Op. 31
sowie Werke von Felix Mendelssohn, Richard Wagner und Anton Bruckner
„Küstenpianist“ – diesen Namen hat er sich eingehandelt, weil er in Ostfriesland als künstlerischer Leiter sein Festival „Gezeitenkonzerte“ veranstaltet, in Rostock Klavierprofessor an der Musikhochschule ist und in Hamburg wohnt: Matthias Kirschnereit. Dabei ist er keineswegs im hohen Norden aufgewachsen, ganz im Gegenteil. Als Kind einer lutherischen Pastorenfamilie hat er seine Jugend in Namibia verbracht, und beim Klavierspielen am Keyboard im Freien hat ihm dann auch schon mal ein Vogelstrauß interessiert über die Schulter geschaut. Um dem Traum von einer Pianistenkarriere eine Chance zu geben, geht Matthias Kirschnereit als Jugendlicher mit 14 Jahren allein nach Deutschland zurück und setzt alles auf eine Karte: Er verlässt die Schule ohne Abitur und studiert Klavier. Die Rechnung ist aufgegangen, denn seit vier Jahrzehnten ist Matthias Kirschnereit inzwischen erfolgreich als Pianist unterwegs, immer mit vielfältigen Programmen.
Zu den Fixsternen an Kirschnereits Klavierhimmel gehören unbedingt Johannes Brahms und Felix Mendelssohn, die den Rahmen für seinen Klavierabend bilden. Doch besonders faszinierend findet es der Pianist, auch neue Galaxien des Klavierhimmels zu erkunden. Und so spielt er beim Klavier-Festival Ruhr eines der wenigen Klavierstücke des großen Sinfonikers Anton Bruckner und nimmt mit Richard Wagners Klaviersonate „für das Album von M. W.“ – eine Hommage an seine Affäre mit Mathilde Wesendonck, die Wagner zu seinem Musikdrama Tristan und Isolde inspiriert hat – unter die Lupe.
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 21 in C-Dur, Op. 53 „Waldstein“
Robert Schumann:
Carnaval, Op. 9
Richard M. Sherman:
Mary Poppins Suite (Arr. Stephen Hough)
sowie Werke von Franz Schubert, Johannes Brahms, Arnold Schönberg und Karl-Heinz Stockhausen
Franz Schubert:
Sonate in c-Moll, D 958
Johannes Brahms:
7 Fantasien, Op. 116
3 Intermezzi, Op. 117
Klavierstücke, Op. 118 und 119
Piotr Anderszewski hat viele Talente: Aktuell schreibt er an einem Buch, in dem er seine Erfahrungen als Interpret reflektiert. 2024 war er beim Klavier-Festival Ruhr als Filmemacher zu erleben, mit „Warsaw is my name“, einer persönlichen Hommage an seine Heimatstadt Warschau, mit der ihn eine „emotionale und schmerzhafte Beziehung“ verbindet. Ohnehin ist der Sohn eines polnischen Vaters und einer Mutter ungarisch-jüdischer Abstammung ein zutiefst ernsthafter, reflektierter Künstler von zurückhaltendem, fast scheuem Charakter. Stets ging er unbeirrbar seinen ganz eigenen Weg – schon bevor er als gefragter Solist auf den großen Bühnen der Welt zu Hause war. 2016 überraschte er die Musikwelt etwa damit, dass er ein Sabbatical nahm und sich für eineinhalb Jahre zurückzog, um dem Hamsterrad des Betriebs zu entkommen.
Er wollte sich damals ganz auf die Musik konzentrieren – ohne ein konkretes Projekt als Ziel. Und gerade das macht sein Klavierspiel aus: Piotr Anderszewski braucht keinen pianistischen Budenzauber, kein Tastengedonner – er ist „ein Meister der leisen Töne, des dosierten Anschlags“, wie ein Kritiker über sein Beethoven-Spiel urteilte. Ein Klavierpoet, der mit seismografischem Feinsinn jede noch so kleine Schattierung aus dem Notentext herauskitzelt. In seinem Festival-Programm kombiniert er Schuberts Klaviersonate in c-Moll, entstanden im Todesjahr des Komponisten, mit späten Klavierstücken von Johannes Brahms, mit dem er sich gerade besonders intensiv auseinandersetzt. Anfang 2026 erscheint sein neues Brahms-Album – für alle, die nicht bis zu seinem Live-Auftritt Ende Mai warten wollen.
mit Alina Ibragimova und der Kammerphilharmonie Potsdam
Wolfgang Amadeus Mozart:
Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll, KV 491
Felix Mendelssohn:
Konzert für Violine, Klavier und Orchester in d-Moll (Fassung mit Bläsern), MWV 04
Mit historisch informierter Spielpraxis, unvergleichlicher Leichtigkeit und fein abgestimmter Musikalität bringen Kristian Bezuidenhout und Alina Ibragimova Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 und Mendelssohns Konzert für Violine und Klavier ausdrucksstark zum Strahlen.
Bezuidenhout zählt zu den führenden Spezialisten für historische Tasteninstrumente. Sein Spiel auf dem Fortepiano verbindet stilistische Genauigkeit mit einer lebendigen, farbenreichen Klangsprache. Alina Ibragimova wiederum ist bekannt für ihre kompromisslose Intensität und ihre Fähigkeit, selbst vertraute Werke mit einer fast kammermusikalischen Intimität zu gestalten. Gemeinsam bilden sie ein Duo, das sich durch subtile Kommunikation und eine gemeinsame Vision auszeichnet.
Der Abend beginnt mit einer Rarität: Mozarts Sinfonie in a-Moll, KV 16a („Odense“) – ein Werk aus den frühen Jahren des Komponisten, das lange Zeit als verschollen galt und heute als faszinierender Blick in die Anfänge seines Schaffens gilt. Danach folgt das Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll, KV 491, eines der kühnsten und dramatischsten Werke Mozarts, das mit seiner orchestralen Raffinesse und harmonischen Kühnheit bis heute fasziniert.
Im zweiten Teil erklingt Felix Mendelssohns Konzert für Violine, Klavier und Orchester in d-Moll, in einer Fassung mit Bläsern. Dieses selten gespielte Werk, das Mendelssohn als Jugendlicher komponierte, verbindet jugendliche Frische mit virtuoser Brillanz und entfaltet einen lebendigen Dialog zwischen den beiden Soloinstrumenten.
„Es geht uns darum, die Musik so zu spielen, dass sie atmet – frei, lebendig und voller Farben“, sagt Kristian Bezuidenhout. Genau das macht diesen Abend in der Neuen Aula der Folkwang Universität der Künste zu einem Erlebnis: eine Begegnung mit zwei Künstlern, die historische Authentizität und persönliche Ausdruckskraft in idealer Balance vereinen.
Lucas & Arthur Jussen (Klavier)
Alexei Gerassimez (Schlagwerk)
Emil Kuyumcuyan (Schlagwerk)
Béla Bartók:
Sonate für zwei Klaviere und Schlagwerk, Sz. 146
George Gershwin:
Rhapsody in Blue für zwei Klaviere
und Werke von Leonard Bernstein, John Adams und Alexei Gerassimez
Wenn zwei Pianisten und zwei Schlagzeuger aufeinandertreffen, dann sprühen die Funken, dann jagen sich die Rhythmen, dann gerät der ganze Konzertsaal ins Vibrieren. Erst recht, wenn es sich um die klavierspielenden Brüder Lucas und Arthur Jussen und das famose Schlagzeugduo Alexei Gerassimez und Emil Kuyumcuyan handelt. Bereits 2022 haben die vier auf einer gemeinsamen Tournee die Konzerthäuser in München, Berlin, Antwerpen und Eindhoven zum Kochen gebracht. Lucas Jussen zeigte sich damals in einem Interview begeistert von der Zusammenarbeit: „Wir lernen super viel von den Schlagzeugern. Wir dachten, dass wir gute Rhythmiker sind, unser Vater ist nämlich auch ein Schlagzeuger, ein Paukist. Aber diese Jungs sind so unglaublich rhythmisch, dass wir wirklich darauf achten müssen, dass wir mithalten können …“
Nun setzen die vier ihren fulminanten musikalischen Schlagabtausch beim Klavier-Festival Ruhr im Konzerthaus Dortmund fort. Im Zentrum des Abends steht Béla Bartóks Sonate für zwei Klaviere und Schlagwerk, eines der ganz wenigen Werke, die im Original für diese Besetzung geschrieben sind, ein knapp halbstündiges Klangabenteuer voller Energie, Spannung und überraschender Schönheit – kraftvoll, modern und zeitlos faszinierend. Mit George Gershwins „Rhapsody in Blue“ und Leonard Bernsteins „Symphonic Dances“ gewinnt das Konzert an jazzigen und tänzerischen Farben, während John Adams’ „Short Ride in a Fast Machine“, hier bearbeitet von Gerassimez, den pulsierenden Abschluss bildet – ein furioser Ritt zwischen Präzision und Überschwang, in dem beide Klaviere und das Schlagwerk zu einer flirrenden Skulptur aus Rhythmus und Klang verschmelzen.
Zwei Virtuosen am Klavier, zwei Virtuosen am Schlagwerk, jeder Part voll eigener Ausdruckskraft – kein Beiwerk, keine bloße Verzierung. Gerassimez und Kuyumcuyan sind dabei nicht Begleiter, sondern Partner auf Augenhöhe. Ihre Präsenz, ihre brillante Technik und ihr klangliches Repertoire erweitern die Dimension des Klavierduos um noch mehr Textur und Farbigkeit. Die Jussen-Brüder, die bereits seit vielen Jahren „mit natürlichem Charme, solider Musikalität, gestalterischer Ernsthaftigkeit und frischer Entdeckerfreude die Herzen des Publikums gewinnen“ (so Pedro Obiera in der WAZ), stellen sich erneut einer ungewöhnlichen Herausforderung: Timing, Dynamik und Balance müssen in diesem Konzert neu austariert werden, weil mehr Mitspieler und mehr Klangquellen beteiligt sind.
Der Moment, in dem Klaviere und Schlagwerk zu einem gemeinsamen Atem finden, macht die Faszination dieses Abends aus – ein Konzert, das nicht nur gehört, sondern tief im Körper gespürt wird. Lucas und Arthur Jussen sorgen an der Seite von Alexej Gerassimez und Emil Kuyumcuyan im Konzerthaus Dortmund für ein musikalisches Abenteuer, das in seiner Intensität wohl kaum seinesgleichen findet.
Franz Schubert:
Sonate in fis-Moll, D 571 (unvollendet)
Sonate in A-Dur, D 664
Sonate in a-Moll, D 784
Chilly Gonzales:
„Eleven Vendettas“ (Uraufführung)
Sergej Prokofiew:
„Drei Gedanken“
Es sind geheimnisvolle Pfade, die durch die Sonaten von Franz Schubert führen. Viele seiner Werke schrieb er, als er sich selbst noch lange nicht für meisterlich hielt, obwohl er schon längst ein Meister war. Drei dieser Sonaten hat der Pianist Julius Asal für sein Konzert beim Klavier-Festival Ruhr ausgewählt.
„Musik war überall“, fasst Asal seine Kindheit im Taunus nahe Frankfurt am Main zusammen. Kein Wunder. Die Oma: Schlagersängerin. Der Vater: Klarinettist. Die Mutter: Pianistin. Aus dieser frühen Zeit rührt auch seine Vorliebe fürs Improvisieren – eine Disziplin, die er inzwischen wie im Schlaf beherrscht, quer durch verschiedene stilistische Terrains. Mit Anfang 20 lockt ihn die Hauptstadt. Auf nach Berlin. Dort studiert er, und von dort reist er zu Konzerten, Wettbewerben und immer wieder nach Kronberg, wo sich an der dortigen Academy eine mehrjährige Zusammenarbeit mit András Schiff entwickelt. Vieles davon prägt Asals Verständnis vom Klavier, das eben kein Schlaginstrument ist, sondern vor allem singen kann.
Asal, der nur so vor Ideen sprüht, liebt neben seinen Musikauftritten auch die Form des Gesprächskonzerts. Dann spricht er gern über unerwartete Zusammenhänge, etwa über die Improvisation als Schlüssel für Bildung oder über den Dichter Georg Büchner und versteckte Parallelen zu Ravels „Gaspard de la nuit“. Und wer kommt schon auf die wagemutige Idee, für sein erstes Album bei einem neuen Label Musik von Scarlatti und Skrjabin miteinander zu kombinieren? Julius Asal zeigt: Das geht. Und wie! Mit großer Überzeugungskraft.
Chilly Gonzales ist ein Solitär – ein Künstler, der in keine Schublade passt, sondern sie vielmehr mit großem Vergnügen auf der Bühne zertrümmert. Wenn er die Bühne betritt, weiß man nie genau, was einen erwartet: mal virtuos, mal witzig, mal überraschend leise, dann wieder überbordend energiegeladen. Mit seiner Musik und seinem feinen Humor zieht er das Publikum mitten ins Geschehen. Was man dabei immer spürt, ist seine Liebe zum Klavier, seine unerschöpfliche Kreativität und dieser unverwechselbare Funke, der jedes Stück in ein kleines Abenteuer verwandelt.
Geboren in Kanada, begann Gonzales seine Karriere zunächst in der Pop- und Hip-Hop-Szene, bevor er sich als Pianist und Entertainer einen Namen machte. Sein Album „Solo Piano“ wurde zum Kultklassiker, und seither bewegt er sich mühelos zwischen Genres – von klassischer Virtuosität über Jazz bis zu elektronischen Beats. Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Erzähler, der seine Konzerte mit humorvollen Moderationen und spontanen Einfällen zu einem Gesamterlebnis macht.
„Ich will, dass das Publikum sich wie im Wohnzimmer fühlt – nah dran, Teil des Ganzen“, sagt Gonzales. Genau das macht seine Auftritte so besonders: Sie sind intim und spektakulär zugleich, voller Überraschungen und Energie. Wer ihn erlebt, spürt, dass hier jemand nicht nur spielt, sondern lebt, was er tut.
Frédéric Chopin:
Grand Valse Brillante, Op. 18
Walzer, Op. 34 Nr. 1
Walzer, Op. 34 Nr. 2
Polonaise in As-Dur, Op. 53
Johannes Brahms:
Walzer, Op. 39 Nr. 3
Walzer, Op. 39 Nr. 15
Astor Piazzolla:
Libertango
Franz Schubert:
Sechzehn Deutsche Tänze, D. 783
Alberto Ginastera:
Danzas Argentinas, Op. 2
Béla Bartók:
Rumänische Volkstänze, Sz. 56
Bohuslav Martinů:
Drei Tschechische Tänze, H. 154
Karol Szymanowski:
Vier Polnische Tänze, M60
Manuel de Falla:
Danza Española Nr. 1
Danza Española Nr. 2
Danza ritual del fuego
Isaac Albéniz:
España, Op. 165 Nr. 2 (Tango)
Jan Lisiecki betritt die Bühne – und sofort ist alles im Fluss. Die Musik tanzt, springt, atmet. Mal kraftvoll, mal zart, aber immer lebendig. Man hört seine Liebe zum Detail, spürt die Freude am Spiel. Chopins Walzer wirbeln durch den Raum, Brahms’ Walzer gleiten sanft dahin, Piazzollas „Libertango“ lässt die Spannung steigen. Die Tänze aus aller Welt klingen frisch, überraschend, voller Rhythmus und Farbe.
Lisiecki, geboren 1995 in Kanada, gilt als einer der außergewöhnlichsten Pianisten seiner Generation. Schon als Teenager spielte er mit den großen Orchestern der Welt, heute begeistert er mit einer Mischung aus technischer Brillanz und poetischer Tiefe. „Ich möchte, dass die Musik spricht, nicht ich“, sagt Lisiecki – und genau das gelingt ihm: Er lässt die Werke selbst leuchten.
Das Programm im Konzerthaus Dortmund ist eine Reise durch die Tanzwelten verschiedener Kulturen und Epochen. Den Auftakt bilden die Drei Tschechischen Tänze von Bohuslav Martinů, gefolgt von den feurigen „Danzas Españolas“ von Manuel de Falla und den „Polnischen Tänzen“ von Karol Szymanowski. Franz Schuberts „Deutsche Tänze“ bringen einen Hauch Wiener Klassik, bevor Bartóks „Rumänische Volkstänze“ und Ginasteras „Danzas Argentinas“ die folkloristische Energie Südosteuropas und Südamerikas entfalten.
Nach der Pause gleiten wir in die Welt der Walzer: Chopins „Grand Valse Brillante“ und zwei Walzer aus Op. 34 treffen auf die eleganten Walzer von Brahms. Dann wird es leidenschaftlich: Piazzollas „Libertango“ und Albéniz’ „Tango“ bringen den Duft von Buenos Aires und Spanien ins Konzert, bevor de Fallas „Danza ritual del fuego“ die Bühne in rhythmische Glut taucht. Den krönenden Abschluss bildet Chopins Polonaise in As-Dur, Op. 53 – ein Werk von majestätischer Kraft und tänzerischem Schwung.
Ein Abend, der die Vielfalt des Tanzes feiert – von intimer Salonmusik bis zu feurigen Rhythmen, von Europa bis Südamerika.
Wolfgang Amadeus Mozart:
Variationen über „Ah, vous dirai-je Maman!“, KV 265
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 23 in f-Moll, Op. 57 „Appassionata“
Franz Schubert:
Sonate Nr. 21 in B-Dur, D 960
„In den Beethoven-Sonaten entdecke ich immer wieder etwas Neues“, sagte Rudolf Buchbinder kürzlich dem Magazin Pianist. Schön, dass er seine Entdeckungen in der „Appassionata“ mit dem Publikum in der Historischen Stadthalle Wuppertal teilt. Und ganz sicher werden auch Mozart und Schubert unter seinen Händen zu einem besonderen Erlebnis.
Buchbinder gehört zu den großen Pianisten unserer Zeit – ein Künstler, der sich seit Jahrzehnten mit unerschütterlicher Neugier den Klassikern widmet. Seine Beethoven-Interpretationen sind legendär, geprägt von Klarheit, strukturellem Bewusstsein und einer tiefen inneren Spannung. „Ich spiele nicht gegen den Text, sondern mit ihm“, betont er. Vielleicht ist das der Grund, warum man ihn sich so gut vorstellen kann wie auf dem Foto: vor einer Tafel, auf der er musikalische Gedanken notiert. Für Buchbinder ist jedes Werk ein Forschungsprojekt – ein Dialog zwischen Tradition und persönlicher Handschrift.
Der Abend beginnt mit Mozarts Variationen über „Ah, vous dirai-je Maman!“, KV 265, einem funkelnden Spiel mit einem einfachen Kinderlied, das Mozart in ein Kaleidoskop aus Fantasie verwandelt. Danach folgt Beethovens Sonate Nr. 23 in f-Moll, Op. 57, die „Appassionata“ – ein Gipfelpunkt der Klavierliteratur, voller dramatischer Kontraste und eruptiver Energie. Den Abschluss bildet Schuberts Sonate Nr. 21 in B-Dur, D 960, ein Werk von fast symphonischer Weite und melancholischer Tiefe, das zu den letzten großen Schöpfungen des Komponisten zählt.
Franz Liszt:
Variationen über „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ von Johann Sebastian Bach
Frédéric Chopin:
Prélude in cis-Moll, Op. 45
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 32 in c-Moll, Op. 111
Alexander Scriabin:
Sonate Nr. 10, Op. 70
Nikolai Medtner:
Sonate in f-Moll, Op. 5
Alexandre Kantorow öffnet eine Tür, schaut hindurch – und lässt uns mit ihm sehen. Er weist auf Feinheiten hin, die uns ohne ihn entgangen wären. Chopins Prélude flüstert leise, Beethovens letzte Sonate entfaltet ihre majestätische Kraft. Liszt, Scriabin und Medtner funkeln mit überraschenden Momenten. Man folgt jedem Atemzug, jeder Wendung – gespannt, berührt und fasziniert.
Kantorow, geboren 1997 in Frankreich, gilt als einer der aufregendsten Pianisten seiner Generation. Spätestens seit seinem Sieg beim Tschaikowsky-Wettbewerb 2019 ist er ein Fixpunkt der internationalen Szene – gefeiert für seine Mischung aus technischer Brillanz und poetischer Tiefe. „Ich möchte nicht nur spielen, ich möchte die Musik zum Leben erwecken“, sagt er. Dieses Credo spürt man nicht nur im Konzertsaal, sondern auch in ikonischen Momenten wie bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Paris, als er im Regen auf der Seine spielte – ein Bild, das seine kompromisslose Hingabe zur Musik eindrucksvoll verkörpert.
Das Programm beginnt mit Franz Liszts Variationen über „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ von Johann Sebastian Bach, einem Werk von spiritueller Intensität, das Trauer in triumphale Kraft verwandelt. Danach folgt Nikolai Medtners Sonate in f-Moll, Op. 5, ein selten gespieltes Meisterwerk voller harmonischer Raffinesse und erzählerischer Tiefe.
Im zweiten Teil erklingt Chopins Prélude in cis-Moll, Op. 45, ein poetischer Atemzug, bevor Scriabins Sonate Nr. 10, Op. 70 mit ihrer schwebenden Klangwelt und mystischen Aura den Raum erfüllt. Den krönenden Abschluss bildet Beethovens Sonate Nr. 32 in c-Moll, Op. 111 – ein Werk, das die Grenzen der Klavierkunst sprengt und in seinem letzten Satz eine Vision von zeitloser Transzendenz entfaltet.
Wir können uns darauf freuen zu erleben, welche Türen Alexandre Kantorow im Anneliese Brost Musikforum Ruhr öffnet.
Robert Schumann:
Waldszenen, Op. 82
Frédéric Chopin:
Polonaise in B-Dur, Op. 71 Nr. 2
Polonaise-Fantasie in As-Dur, Op. 61
und weitere Werke
Franz Schubert:
Impromptu in f-Moll, Op. 142 Nr. 1
Die Zeche Zollern gilt Kennerinnen und Kennern als eine der schönsten Zechen der Welt. Hier erleben Sie Eric Lu, den frisch gekürten Gewinner des Internationalen Chopin-Wettbewerbs 2025 – als erster Amerikaner seit 55 Jahren. Mit diesem Triumph reiht er sich in die legendäre Linie von Martha Argerich, Krystian Zimerman und Rafał Blechacz ein.
Lu, geboren 1997 in Massachusetts, wurde bereits mit 17 Jahren bekannt, als er beim Chopin-Wettbewerb 2015 den vierten Preis gewann. 2018 folgte der Sieg beim Leeds International Piano Competition, einem der wichtigsten Wettbewerbe der Welt. Seitdem hat er mit Orchestern wie dem London Symphony Orchestra und der Boston Symphony gespielt und war Gast bei Festivals von Aspen bis Warschau. Sein Spitzname „The Legend“ entstand, als er nach zehn Jahren erneut in Warschau antrat und die Goldmedaille gewann – ein historischer Moment, der weltweit gefeiert wurde. „Ich möchte die Stille zwischen den Tönen genauso wichtig machen wie die Töne selbst“, sagt Lu.
Das Programm beginnt mit Robert Schumanns „Waldszenen“, Op. 82, einer poetischen Sammlung von Charakterstücken, die Naturbilder und innere Stimmungen in feine musikalische Miniaturen verwandelt. Danach erklingen zwei Polonaisen von Frédéric Chopin – die Polonaise in B-Dur, Op. 71 Nr. 2 und die Polonaise-Fantasie in As-Dur, Op. 61, ein Werk von majestätischer Größe und melancholischer Tiefe.
Im zweiten Teil folgt Franz Schuberts Impromptu in f-Moll, Op. 142 Nr. 1, ein Stück von lyrischer Innigkeit und harmonischer Raffinesse. Den krönenden Abschluss bildet Chopins Sonate Nr. 3 in h-Moll, Op. 58, ein Werk, das die ganze emotionale Spannweite des Komponisten entfaltet – von leidenschaftlicher Dramatik bis zu zarter Melancholie.
Alban Berg:
Sonate, Op. 1
Tsotne Zedginidze:
Eigene Werke
Robert Schumann:
Davidsbündlertänze, Op. 6
Die Zeche Zollern gilt Kennerinnen und Kennern als eine der schönsten Zechen der Welt. Hier erleben Sie nicht nur herausragende junge Pianistinnen und Pianisten, sondern können bei Führungen und einer Brotzeit mit Getränk auch das außergewöhnliche Zechengelände mit seinen ikonischen Backsteinbauten und prachtvollen Jugendstilportalen erkunden.
Einer dieser „Rising Stars“ ist Tsotne Zedginidze. Im Sommer 2026 gibt er sein Debüt beim Klavier-Festival Ruhr – ein Ereignis, das mit Spannung erwartet wird. Zedginidze, geboren 2009 in Tiflis, gilt als Jahrhunderttalent: Pianist und Komponist zugleich, mit einer künstlerischen Reife, die weit über sein Alter hinausgeht. Daniel Barenboim nannte ihn „den neuen Mozart“ – ein Ritterschlag, der seine außergewöhnliche Begabung unterstreicht.
Seine Karriere liest sich wie ein modernes Märchen: Mit sechs begann er zu komponieren, mit neun schrieb er seine ersten Werke, mit elf eine Violinsonate, die Lisa Batiashvili uraufführte. 2025 wurde seine erste Sinfonie bei der Mozartwoche in Salzburg von der Camerata Salzburg präsentiert und anschließend in Stockholm, Edinburgh und Berlin gespielt. Als Pianist trat er bereits im Wiener Konzerthaus, in der Berliner Philharmonie und bei Festivals wie Verbier und Lucerne auf. Sir Simon Rattle lud ihn 2024 gleich drei Mal ein – unter anderem für Bartóks 1. Klavierkonzert beim Verbier Festival.
„Ich möchte Musik nicht nur interpretieren, sondern erschaffen – jedes Konzert soll wie ein neues Kapitel sein“, sagt Zedginidze. Genau das spiegelt sich in seinem Programm wider, das seine Doppelbegabung vereint: eigene Kompositionen neben Meisterwerken der Klavierliteratur.
Franz Schubert:
Moments Musicaux
Franz Liszt:
“Die junge Nonne” & “Gretchen am Spinnrade”, aus: 12 Lieder von Franz Schubert, S. 558
Franz Schubert:
Fantasie in C-Dur, Op. 15/D 760 „Wandererfantasie“
Die Zeche Zollern gilt Kennerinnen und Kennern als eine der schönsten Zechen der Welt. Hier erleben Sie nicht nur herausragende junge Pianistinnen und Pianisten, sondern können bei Führungen und einer Brotzeit mit Getränk auch das außergewöhnliche Zechengelände mit seinen ikonischen Backsteinbauten und prachtvollen Jugendstilportalen erkunden.
Einer dieser „Rising Stars“ ist Alim Beisembayev. Nach seinem Sieg bei der Leeds International Piano Competition 2021 setzt er mit seinem Debüt beim Klavier-Festival Ruhr ein neues Kapitel in seiner Karriere. Sein Triumph in Leeds – mit einer fulminanten Interpretation von „Rachmaninovs Rhapsody on a Theme of Paganini“ – machte ihn zum ersten Gewinner aus Kasachstan und brachte ihm zusätzlich den Publikumspreis von medici.tv sowie den Preis der Royal Liverpool Philharmonic Society ein.
Seither reiht sich ein Höhepunkt an den nächsten: 2023 sprang er bei den BBC Proms mit nur zwei Tagen Vorlauf ein und spielte Rachmaninovs 2. Klavierkonzert – ein Auftritt, den die Presse als „die Art von Konzert, die man nur in Träumen hört“ bezeichnete. BBC Radio 3 kommentierte schlicht: „A star is born.“ 2024 folgte der Critics’ Circle Young Artist Award, und als BBC New Generation Artist gehört er zu den spannendsten Pianisten seiner Generation. Sein Debütalbum mit Liszts 12 Transcendental Études wurde von der Kritik gefeiert, und seine Auftritte führen ihn in die großen Säle der Welt: Wigmore Hall, Concertgebouw Amsterdam, Carnegie Hall und das Chopin Institute in Warschau.
Das Programm beginnt mit Franz Schuberts „Moments Musicaux“, poetische Miniaturen, die zwischen tänzerischer Leichtigkeit und melancholischer Tiefe changieren. Danach erklingen zwei Lieder von Schubert in der virtuosen Klavierbearbeitung von Franz Liszt: „Die junge Nonne“ und „Gretchen am Spinnrade“ – Werke, die die lyrische Welt des Liedes in den Kosmos des Klaviers übertragen. Den Abschluss bildet die monumentale „Wandererfantasie“ in C-Dur, Op. 15/D 760, ein Gipfelpunkt der romantischen Klavierliteratur, in dem Schubert seine ganze kompositorische Kraft entfaltet.
François Couperin:
„Les Barricades Mystérieuses“
„Le Tic-Toc-Choc ou Les Maillotins“
„Les Ombres Errantes“
„Les Tricoteuses“
Olivier Messiaen:
Prélude Nr. 1 „La colombe“
Prélude Nr. 8 „Un reflet dans le vent“
Amy Beach:
Variations on Balkan Themes , Op. 60
Maurice Ravel:
La Valse
Die Zeche Zollern gilt Kennerinnen und Kennern als eine der schönsten Zechen der Welt. Hier erleben Sie nicht nur herausragende junge Pianistinnen und Pianisten, sondern können bei Führungen und einer Brotzeit mit Getränk auch das außergewöhnliche Zechengelände mit seinen ikonischen Backsteinbauten und prachtvollen Jugendstilportalen erkunden.
Mit ihrem feinsinnigen Klang, ihrer intellektuellen Tiefe und ihrer großen stilistischen Offenheit zählt Junyan Chen zu den spannendsten jungen Pianistinnen ihrer Generation. Sie wird beim Klavier-Festival Ruhr erstmals zu hören sein – ein Debüt, das mit Spannung erwartet wird.
Chen, geboren 2000 in China und heute in London beheimatet, machte 2024 international von sich reden, als sie beim Leeds International Piano Competition den zweiten Preis sowie zwei Sonderpreise gewann. Im Finale spielte sie Rachmaninovs 4. Klavierkonzert mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra – ein Auftritt, der live auf Classic FM übertragen wurde. 2025 folgte ihr Debüt mit dem Philharmonia Orchestra in London, erneut mit Rachmaninov, diesmal unter Domingo Hindoyan.
Doch Chen ist mehr als eine Virtuosin der großen romantischen Werke: Sie ist eine leidenschaftliche Botschafterin für zeitgenössische Musik. Sie arbeitete mit Komponisten wie Hans Abrahamsen und Mark-Anthony Turnage und spielte Boulez’ „Sur Incises“ unter Susanna Mälkki zum 100. Geburtstag des Komponisten. Ihr Debütalbum „It’s Time“ (Linn Records) widmete sie Werken von Fazıl Say, Unsuk Chin, Sofia Gubaidulina und Eleanor Alberga – ein Statement für kulturelle Vielfalt und künstlerische Neugier.
Das Programm beginnt mit vier Charakterstücken von François Couperin: „Les Barricades Mystérieuses“, „Le Tic-Toc-Choc ou Les Maillotins“, „Les Ombres Errantes“ und „Les Tricoteuses“ – Miniaturen voller Eleganz und barocker Raffinesse. Danach erklingen zwei Préludes von Olivier Messiaen: „La colombe“ und „Un reflet dans le vent“, in denen sich mystische Klangfarben und impressionistische Lichtspiele verbinden. Mit Amy Beachs „Variations on Balkan Themes“ folgt ein selten gespieltes Werk von großer emotionaler Spannweite, das folkloristische Motive in ein kraftvolles romantisches Klangbild verwandelt. Den Abschluss bildet Maurice Ravels „La Valse“, ein musikalischer Tanz auf dem Vulkan – schillernd, virtuos und von einer fiebrigen Intensität, die den Abend in einem rauschhaften Finale enden lässt.
„Ich liebe es, Brücken zu schlagen – zwischen Zeiten, Stilen und Ideen“, sagt Chen. Genau das macht ihr Spiel so faszinierend: analytische Präzision, gepaart mit klanglicher Fantasie und emotionaler Direktheit.
Nikolai Medtner:
Sonate-Idylle in G-Dur, Op. 56
Alexander Nikolajewitsch Scriabin:
Préludes, Op. 11 (Auswahl)
Robert Schumann:
Fantasie in C-Dur, Op. 17
Die Zeche Zollern gilt Kennerinnen und Kennern als eine der schönsten Zechen der Welt. Hier erleben Sie nicht nur herausragende junge Pianistinnen und Pianisten, sondern können bei Führungen und einer Brotzeit mit Getränk auch das außergewöhnliche Zechengelände mit seinen ikonischen Backsteinbauten und prachtvollen Jugendstilportalen erkunden.
Beim Klavier-Festival Ruhr begeisterte Jaeden Izik-Dzurko bereits 2023 das Publikum mit der Weltpremiere von „Somnis Radiants“ der spanischen Komponistin Elisenda Fábregas – ein Auftritt, der seinen Ruf als außergewöhnlich sensibler und visionärer Künstler festigte. Mit seinem erneuten Gastspiel 2026 kehrt er nun auf die Festivalbühne zurück.
Izik-Dzurko, geboren 1999 in Kanada, gehört zu den aufregendsten Pianisten seiner Generation. 2024 gewann er gleich zwei der bedeutendsten Wettbewerbe der Welt: die Leeds International Piano Competition und den Concours Musical International de Montréal – als erster Kanadier überhaupt. Zuvor hatte er bereits erste Preise bei den Wettbewerben in Hilton Head, Barcelona (Maria Canals) und Santander (Paloma O’Shea) errungen. Seine Karriere führte ihn in die großen Säle der Welt: Carnegie Hall, Wigmore Hall, Elbphilharmonie, Auditorio Nacional de Música in Madrid und Salle Cortot in Paris.
„In einer Welt voller Wettbewerb und Hype steht Jaeden für etwas anderes: absolute Aufrichtigkeit“, schrieb Bachtrack. Diese Aufrichtigkeit prägt auch sein Programm: Es beginnt mit Nikolai Medtners Sonate-Idylle in G-Dur, Op. 56, einem Werk von lyrischer Schönheit und formaler Raffinesse. Danach folgt eine Auswahl aus Alexander Scriabins Préludes, Op. 11, die mit schwebenden Harmonien und kühnen Farben den Weg in die Klangwelt des Symbolismus weisen. Den Abschluss bildet Robert Schumanns Fantasie in C-Dur, Op. 17, ein Monument der romantischen Klavierliteratur, das zwischen leidenschaftlicher Glut und poetischer Innigkeit changiert.
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 13 in Es-Dur, Op. 27 Nr. 1
„Sonata quasi una fantasia“
Sonate Nr. 14 in cis-Moll, Op. 27 Nr. 2 „Mondschein“
Johannes Brahms:
8 Klavierstücke, Op. 76
Paganini-Variationen, Op. 35
Als Anton Gerzenberg 2012 zum ersten Mal beim Klavier-Festival Ruhr auftrat, war er noch keine 16 Jahre alt. An seiner Seite spielte aber schon damals eine der ganz Großen ihres Fachs: Martha Argerich, die Grand Dame des Klaviers. Als „Privileg“ bezeichnet er diese frühe Konzerterfahrung mit dem „Energiebündel“ Martha Argerich. Dabei kannte die Klavierlegende den jungen Pianisten schon: „Seit ich etwa drei Jahre alt war“, erzählt er. Der Kontakt entstand über Lilya Zilberstein, denn die ist seit vielen Jahren nicht nur regelmäßige Duo-Partnerin von Martha Argerich, sondern auch die Mutter von Anton Gerzenberg, der wiederum für einige Jahre im Klavierduo mit seinem Bruder Daniel gespielt hat.
Seine Mutter war es auch, die dem 1996 in Hamburg geborenen Pianisten mit vier Jahren ersten Klavierunterricht gab, später studierte er in Hamburg, Wien und schließlich in Köln bei Pierre-Laurent Aimard. Und mit diesem Namen verbindet er eine weitere eindrückliche Erinnerung beim Klavier-Festival Ruhr. Bei einem Meisterkurs seines Lehrers war er als zweiter Teilnehmer an der Reihe, „und dann habe ich plötzlich mitbekommen, dass Alfred Brendel im Publikum sitzt. Das gibt’s vermutlich nur hier und an wenigen anderen Orten auf der Welt.“ Ohnehin schätzt er das Publikum beim Pianisten-Gipfel im Ruhrgebiet sehr, denn „da sitzen viele Kenner. Und es ist eine schöne Sache, wenn man für ein Publikum spielt, das weiß, was es hört.“ Für dieses Publikum hat er für seine Rückkehr zum Klavier-Festival Ruhr einen Doppelpack aus Beethoven und Brahms im Gepäck. Oder wie er es formuliert: „Musik, die ich selbst gerne im Konzert hören würde.“
Immer wieder gönnt er sich Phasen, in denen er nicht von Konzert zu Konzert eilt, sondern sich zurückzieht. Dann arbeitet er oder – so zumindest in früheren Jahren – sammelt Impulse und Ratschläge bei namhaften Kollegen. Krystian Zimerman ist eine Ausnahmeerscheinung im heutigen Musikleben. Er gilt als Perfektionist, obwohl er selbst dem Begriff ablehnend gegenübersteht. Auf jeden Fall ist er sehr akribisch – nicht nur am Klavier, sondern auch bei allen Faktoren rund um einen Auftritt oder eine Aufnahme. Vor jedem Auftritt, zu dem er mit eigenem Anhänger und Flügel anreist, testet er mit modernen Messmethoden die Akustik des jeweiligen Saales, er organisiert seine Touren nach den akustischen Rahmenbedingungen der ausgewählten Säle, Programme gibt er ungern weit im Voraus bekannt.
Zu seiner Sorgfalt gesellt sich auch ein hohes Maß an Selbstkritik, die auch vor den eigenen Aufnahmen nicht haltmacht. Zimerman hat inzwischen dafür gesorgt, dass seine frühen, von der Kritik gefeierten Solo-Rezitals vom Markt verschwunden sind – sehr zum Bedauern einer nicht gerade kleinen Fangemeinde. Wer die Schallmauer aus Selbstkritik und Akribie einmal durchbrochen hat, erlebt einen gelösten, freundlich zugewandten Krystian Zimerman. Das weiß man nirgendwo besser als beim Klavier-Festival Ruhr, wo der Wahl-Schweizer inzwischen Stammgast ist und 2026 sein einziges Rezital deutschlandweit geben wird. Dieses sehnt das Publikum umso stärker herbei.
2023 wurde Zimerman mit dem Preis des Klavier-Festival Ruhr ausgezeichnet.
Johann Sebastian Bach:
Goldberg-Variationen, BWV 988 (Arr. Josef Gabriel Rheinberger und Max Reger für zwei Klaviere)
Herbert Schuch, Sophie Pacini sowie die Schwestern Alice Sara und Mona Asuka Ott, um nur einige Namen zu nennen, haben eines gemeinsam: Sie alle wurden von Karl-Heinz Kämmerling ausgebildet. Und auch Igor Levit und Markus Becker stammen aus der Kaderschmiede dieses bis zu seinem Tod so erfolgreichen Klavierpädagogen. Becker ist bekannt für seine preisgekrönten Gesamteinspielungen – allen voran von Max Regers Klavierwerken, die mit Echo Klassik, Opus Klassik und Deutschen Schallplattenpreisen ausgezeichnet wurden. Neben seinem profunden Repertoire rund um Bach, Beethoven, Brahms und Reger begeistert er mit seiner „Freistil“-Jazz-Improvisation, die Presse und Publikum als „einfach brillant“ gefeiert haben.
„Bis Igor vor einigen Jahren nach Berlin gezogen ist, haben wir beide in Hannover gelebt, wo wir bei Kämmerling studiert haben. Er ist ein wunderbarer Mensch, voller Empathie, Humor und Großzügigkeit“, schwärmt der Pianist über seinen knapp 25 Jahre jüngeren Duo-Partner, an dem er außerdem „die Gabe des Zuhörens, das Reaktionsvermögen auf Unerwartetes und die Fähigkeit, den Klang in den Saal zu projizieren“ schätzt. Mit den berühmten „Goldberg-Variationen“ von Bach haben die beiden ein Werk aufs Programm gesetzt, das Markus Becker bis heute sprachlos zurücklässt: „Mir ist unbegreiflich, wie man derart virtuos Kanons schreiben kann, die auch noch jeder ein unverwechselbares Gesicht haben. Definitiv mein Werk für die einsame Insel!“
Allerdings spielt das Duo diesen Achttausender der Klavierliteratur nicht im Original, sondern in einer sozusagen doppelten Bearbeitung: „Rheinberger hat sich um die Verteilung auf zwei Klaviere gekümmert. Man war zu seiner Zeit davon ausgegangen, dass man so etwas auf einem Instrument gar nicht spielen kann. Bei Reger bekommt das Stück dann zusätzlich ein romantisches Klangbild, ohne jedoch seine Transparenz und Vielfältigkeit zu verlieren.“ Ideales Terrain also für das gut eingespielte Duo Becker/Levit.
Felix Mendelssohn:
Lieder ohne Worte:
– Op. 62 Nr. 3 („Trauermarsch“)
– Op. 53 Nr. 5
– Op. 62 Nr. 5 („Volkslied“)
– Op. 19 Nr. 6 („Venezianisches Gondellied“)
– Op. 102 Nr. 1
Franz Liszt:
Après une Lecture du Dante – Fantasia quasi Sonata
Maurice Ravel:
„Kaddisch“, aus Deux mélodies hébraïques, M.A 22 (Arr. Alexander Siloti)
Dmitri Schostakowitsch:
Sonate Nr. 2 in h-Moll, Op. 61
„Igor Levit weiß das Publikum mitzunehmen. Wer erleben will, welche Begeisterungsstürme Klassik auslösen kann, der hätte sich gefreut, am Dienstagabend dabei gewesen zu sein“, schrieb die WZ nach seinem Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr 2025. Der Dienstagabend kommt nicht wieder – Igor Levit aber schon. Und er bringt ein Programm mit, das ebenso tiefgründig wie aufregend ist.
Levit gehört zu den Pianisten, die Musik nicht einfach spielen, sondern sie erzählen, durchleben und neu erfahrbar machen. Ob er in Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ eintaucht, Liszts Klangdramen entfesselt oder Ravels Raffinesse entfaltet – jedes Werk wird bei ihm zu einem Ereignis. Virtuosität ist bei ihm selbstverständlich, steht jedoch nie im Vordergrund. Denn Igor Levit möchte die Zuhörerinnen und Zuhörer in neue Klangwelten führen, sie berühren und bewegen.
Und so darf man sich sicher sein: Auch diesmal wird er es schaffen – und erneut Begeisterungsstürme auslösen.
Als die aus Ulaanbaatar (Mongolei) stammende Pianistin Shuteen Erdenebaatar beim Klavier-Festival Ruhr 2025 ihr Quartett vorstellte, war der Münchner Bassist Nils Kugelmann auch dabei. In diesem Jahr präsentieren sich die zwei als intimes, kammermusikalisches Duo. Kugelmann spielt hier nur selten Kontrabass, vor allem spielt er Kontraaltklarinette, ein Instrument, das im Jazz kaum je zu hören ist. „In dem Moment, als wir das Klavier mit der Kontraaltklarinette kombinierten, hat etwas Klick gemacht“, sagen die beiden, „und es fühlte sich sehr innig, ungewöhnlich und zutiefst lebendig an.“ Aus dem vollen, warmen Ton des Holzblasinstruments und einem arpeggienreichen Klangteppich vom Klavier zaubern sie märchenhaft schöne Musik zwischen Klassik und Jazz, die das Publikum in eine Traumwelt entführen kann.
Louis Couperin.
Suite en Ré
Prélude, G. 1
Allemande, G. 35
Courante, G. 42
Sarabande, G. 51
Canaries, G. 52
Chaconne la Complaignante, G. 57
Jean-Philippe Rameau.
Prélude
Suite en La (Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin)
François Couperin.
„L’Art de toucher le clavecin“: Premier Prélude en Do Majeur
„La Ténébreuse“ (Allemande)
„La Favorite“ (Chaconne à deux tems – Rondeau)
Pancrace Royer.
La Marche des Scythes
Jean Rondeau reißt das Cembalo aus der Nische der Alten Musik und lässt es cool, modern und hip klingen. Sein Stil zeichnet sich durch expressive Freiheit und eine ungeahnte Leichtigkeit aus, mit der er Musik aus allen Epochen zu einem homogenen Ganzen verbindet. Zusammen mit Justin Taylor präsentiert er auf Zollverein das Cembalo als emotional ausdrucksstarkes Instrument, das ganz sicher ins Jahr 2026 gehört. Am Samstag glänzt er mit barocken Werken von Louis Couperin, Jean-Philippe Rameau, François Couperin und Pancrace Royer, am Sonntag nimmt er uns und sein Cembalo mit in die Moderne.
Rondeau, geboren 1991 in Paris, gilt als einer der charismatischsten Cembalisten unserer Zeit. Sein Sieg beim Internationalen Cembalo-Wettbewerb in Brügge 2012 machte ihn mit 21 Jahren zum Shooting Star der Szene. Seither füllt er die großen Säle von der Berliner Philharmonie bis zur Carnegie Hall und überrascht mit Projekten, die Grenzen sprengen: von barocken Marathons über Improvisationsprogramme wie Sisyphus bis zu UNDR, einer explosiven Neukomposition inspiriert von Bachs Goldberg-Variationen. „Das Cembalo ist für mich kein Museum, sondern ein Labor für Klangideen“, sagt Rondeau – und genau das wird auf Zollverein erlebbar.
Das Programm am Samstag ist eine Hommage an die französische Cembalo-Tradition: Louis Couperin eröffnet mit der Suite en Ré, deren Prélude, Allemande, Courante, Sarabande, Canaries und die „Chaconne la Complaignante“ die ganze Raffinesse des Grand Siècle entfalten. Jean-Philippe Rameau folgt mit einer Suite aus den Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin, darunter die berühmte Gavotte mit ihren Variationen. François Couperin steuert Préludes und Charakterstücke aus „L’Art de toucher le clavecin“ bei, darunter die majestätische Chaconne „La Favorite“. Den krönenden Abschluss bildet Pancrace Royers „La Marche des Scythes“ – ein Stück von fast orchestraler Wucht, das die Virtuosität des Cembalos in voller Pracht zeigt.
Werke von Johann Sebastian Bach, Alessandro und Domenico Scarlatti, Benedetto Marcello und Antonio Valente
Von seinem wochenlangen Ausflug auf Platz eins der Streaming-Charts kehrt Justin Taylor gut erholt zurück. Sein Debüt beim Klavier-Festival Ruhr gab er vor zwei Jahren in einem begeistert schäumenden Saal in Rheda-Wiedenbrück. 2026 kehrt er zurück, um zusammen mit seinem französischen Landsmann Jean Rondeau unsere „Cembalounge“ in der Kokerei Zollverein zu bespielen. Im Gepäck: ein Programm unter dem Titel „Bach und Italien“, das die barocke Klangwelt in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert.
Taylor, geboren 1992 in Angers, gehört zu den führenden Cembalisten seiner Generation. Sein Album La Famille Rameau katapultierte ihn an die Spitze der Streaming-Charts und machte ihn zum internationalen Star. Er gewann den ersten Preis beim renommierten Wettbewerb in Brügge und wurde mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet. Seine Auftritte führen ihn in die großen Säle Europas, von der Philharmonie de Paris bis zur Elbphilharmonie. „Das Cembalo ist für mich ein Instrument der Freiheit – es kann alles sein, wenn man es lässt“, sagt Taylor.
Sein Programm schlägt einen kühnen Bogen: Johann Sebastian Bach eröffnet mit Werken, die die Kunst der kontrapunktischen Klarheit und melodischen Eleganz feiern. Danach folgen die virtuosen Sonaten von Alessandro und Domenico Scarlatti, die mit rhythmischer Brillanz und melodischer Fantasie glänzen. Benedetto Marcello bringt venezianische Noblesse ins Spiel, bevor Antonio Valente mit seinen Toccaten und Variationen die Wurzeln der italienischen Cembalo-Tradition freilegt.
„Sisyphus“
Jean Rondeau kombiniert Repertoirestücke und Improvisationen zu einem ununterbrochenen musikalischen Moment.
„Ceci n’est pas un programme“, schreibt uns Jean Rondeau zu seinem Abend „Sisyphus“, und die Anspielung auf den Titel eines der Schlüsselwerke der modernen Kunst ist sicherlich … nun: Programm. Der französische Cembalist lädt dazu ein, sich von einem ununterbrochenen musikalischen Moment erfassen zu lassen, der Repertoirestücke und Improvisationen kombiniert – eine jeden Abend neu entstehende Erkundung des Klangs des Cembalos, wie eine musikalische und tänzerische Performance.
Rondeau, geboren 1991 in Paris, gilt als einer der charismatischsten Cembalisten unserer Zeit. Sein Sieg beim Internationalen Cembalo-Wettbewerb in Brügge 2012 machte ihn mit 21 Jahren zum Shooting Star der Szene. Seither begeistert er mit Projekten, die Grenzen sprengen: von barocken Marathons bis zu UNDR, einer explosiven Neukomposition inspiriert von Bachs Goldberg-Variationen. Zu seinen ikonischen Momenten zählen die gefeierten Couperin-Marathons in der Philharmonie de Paris und die Tournee mit den Goldberg-Variationen, die ihn als „Rockstar des Cembalos“ bekannt machten.
„Das Cembalo ist für mich kein Museum, sondern ein Labor für Klangideen“, sagt Rondeau. Genau das wird in „Sisyphus“ erlebbar: ein Abend ohne feste Werkfolge, ohne starre Dramaturgie – dafür mit der Freiheit, Musik neu zu denken.
Ein Experiment, das die Grenzen zwischen Konzert, Performance und Improvisation auflöst – und das Cembalo mitten ins 21. Jahrhundert katapultiert.
Virtuos, vielseitig und mit einem feinen Gespür für den Klang unserer Zeit: Louis Philippson zählt zu den bemerkenswerten Pianisten der jungen Generation. In seinem genreübergreifenden Solo-Konzert verbindet er klassische Meisterwerke mit Filmmusik, Eigenkompositionen und überraschenden musikalischen Perspektiven – ein Programm, das ebenso unterhält wie berührt.
Der 22-Jährige aus Mülheim an der Ruhr wurde schon früh entdeckt: Mit sieben Jahren erspielte er sich nicht nur zahlreiche Zuhörer auf YouTube, sondern direkt einen Platz an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf, wo er als Jungstudent ausgebildet wurde. Heute begeistert er weit über die Konzertbühne hinaus: Mit seinen Vlogs, humorvollen Beiträgen und packenden Interpretationen inspiriert er vor allem die Generation Z im Internet, klassische Musik neu zu entdecken.
Sein Debütalbum „Exposition“ (2025) zeigt die Breite seines musikalischen Interesses: Eigenkompositionen stehen neben Bearbeitungen von Tschaikowski, Mahler, Anime-Klassikern und K-Pop. Auf dem Nachfolgealbum „My Way“, aufgenommen mit dem MDR-Sinfonieorchester, entwickelt er diesen Ansatz weiter. Werke wie „Beethoven Virus“, „Show-Waltz“ und „Supernova“ kombinieren und eröffnen neue Perspektiven auf das Klavierrepertoire. Mit feinem Gespür für Nuancen, klangliche Vielfalt und Spielfreude präsentiert Louis Philippson Musik als lebendigen Dialog zwischen Tradition und Gegenwart. Sein Konzert lädt dazu ein, die Ausdrucksmöglichkeiten des Klaviers in vertrauten wie überraschenden Kontexten zu entdecken.
mit Olga Paschchenko (Cembalo) und dem B'Rock Orchestra
Johann Sebastian Bach:
Brandenburgisches Konzert Nr. 5 in D-Dur, BWV 1050
Carl Philipp Emanuel Bach:
Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier in Es-Dur, Wq 47
Joseph Haydn:
Sinfonie Nr. 98 in B-Dur, Hob. I:98 („Londoner“)
Wolfgang Amadeus Mozart
Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur, KV 488
Carl Philipp Emanuel Bachs Doppelkonzert entfaltet unter Alexander Melnikovs feinsinniger Musikalität und dem unverwechselbaren Charakter von Olga Paschchenkos Cembalospiel ein farbenreiches, lebendiges Klangbild. Gemeinsam mit dem B’Rock Orchestra entsteht in der Kokerei Hansa ein Abend, der die Klangwelt des 18. Jahrhunderts in all ihrer Vielfalt erlebbar macht – und zugleich die Brücke zur Klassik schlägt.
Alexander Melnikov, bekannt für seine kompromisslose künstlerische Haltung und seine Vorliebe für historische Instrumente, zählt zu den führenden Pianisten unserer Zeit. Seine Einspielungen der Beethoven-Sonaten und Schostakowitsch-Zyklen gelten als Referenz. Olga Paschchenko, gefeiert für ihre Virtuosität auf Cembalo und Hammerklavier, verbindet technische Brillanz mit einer tiefen stilistischen Sensibilität. Beide Künstler sind Grenzgänger zwischen Epochen – und genau das prägt dieses Programm.
Das B’Rock Orchestra, gegründet 2005 in Gent, gehört zu den innovativsten Originalklang-Ensembles Europas. Mit historischen Instrumenten und einem frischen, experimentierfreudigen Ansatz verbindet es Barock und Klassik mit zeitgenössischen Perspektiven. Das Ensemble ist bekannt für genreübergreifende Projekte, die Musik mit Theater, Tanz und bildender Kunst verknüpfen, und gastiert regelmäßig auf den großen Bühnen der Welt – von der Pariser Philharmonie bis zur BBC Proms. „Wir wollen die Vergangenheit nicht konservieren, sondern sie in die Gegenwart holen“, lautet das Credo des Orchesters.
Der Abend beginnt mit Johann Sebastian Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 5 in D-Dur, BWV 1050, einem Werk, das das Cembalo aus der Begleiterrolle in den Mittelpunkt rückt und mit seiner virtuosen Kadenz bis heute fasziniert. Danach folgt das selten zu hörende Doppelkonzert für Cembalo und Hammerklavier in Es-Dur, Wq 47 von Carl Philipp Emanuel Bach – ein klingender Dialog zweier Tastenwelten, voller Farbigkeit und überraschender Wendungen.
Im zweiten Teil erklingt Joseph Haydns Sinfonie Nr. 98 in B-Dur, eine der berühmten „Londoner“ Sinfonien, die mit ihrem eleganten Humor und orchestraler Brillanz begeistert. Den Abschluss bildet Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur, KV 488, ein Werk von lyrischer Schönheit und innerer Leuchtkraft, das unter Melnikovs Händen seine ganze emotionale Tiefe entfaltet.
Wolfgang Amadeus Mozart:
Fantasie in d-Moll, KV 397
Franz Schubert:
Vier Impromptus, D 935
Frédéric Chopin:
Polonaise in As-Dur, Op. 53
Franz Liszt:
Ungarische Rhapsodien, S. 244 Nrs. 10–14
Charisma, Brillanz und Ausdruckstiefe zeichnen Mariam Batsashvili aus – Qualitäten, die sie nicht nur auf den Bühnen der Welt, sondern auch auf Tonträgern und Streaming-Plattformen zu einer gefragten Künstlerin machen. Seit 2019 steht die georgische Pianistin exklusiv bei Warner Classics unter Vertrag, ein Meilenstein in einer Karriere, die sie bereits in mehr als 30 Länder geführt hat. Sie spielt in den großen Musikzentren wie Berlin, London, Paris und Wien und ist regelmäßiger Gast internationaler Festivals.
Batsashvili gilt als ausgewiesene Expertin für die Klaviermusik von Franz Liszt. Beim Klavier-Festival Ruhr 2024 verknüpfte sie seine Werke mit Musik von Franz Schubert und Johann Sebastian Bach. 2026 kehrt sie zur Salzlager-Residenz zurück und wird Liszt mit Mozart, Schubert und Chopin verzahnen.
Mariam Batsashvili lebt heute in Witten an der Ruhr und erreicht auf Instagram und TikTok mehr als 70.000 Follower mit kurzen, praxisnahen Video-Tutorials, die Technik und Interpretation anschaulich vermitteln. Neben der Bühne engagiert sie sich für die intellektuelle Auseinandersetzung mit Franz Liszt: Sie untersucht Spiritualität in seiner Musik und setzt sich für eine ernsthafte Rezeption ein. „Mein Ziel ist es, die Menschen davon zu überzeugen, dass Liszt nicht nur ein bloßer Showman war, sondern dass in seiner Haltung zur Musik große Ernsthaftigkeit lag. Es geht mir darum, sein Vermächtnis zu verteidigen“, sagte sie dem BBC Music Magazine. Zwischen tiefgründiger Musikalität, pädagogischem Engagement und großem Sinn für Humor ist Batsashvili eine Künstlerin, die sowohl virtuos als auch persönlich präsent ist.
Dauer: ca. 4 Stunden
0:00 Uhr: Werkstattgespräch mit Mariam Batsashvili im Möbelloft
mit den Bochumer Symphonikern unter Leitung von Tung-Chieh Chuang Zeit für Bartók
Béla Bartók:
Klavierkonzert Nr. 1 in A-Dur, Sz. 83
Johann Sebastian Bach:
Klavierkonzert in f-Moll, BWV 1056
Ludwig van Beethoven:
Sinfonie Nr. 8 in F-Dur, Op. 93
Rhythmische Energie, raffinierte Orchesterbehandlung und eine Nähe zur Volksmusik: Die drei Klavierkonzerte von Béla Bartók bilden einen eindrucksvollen Bogen seiner schöpferischen Entwicklung. Im Anneliese Brost Musikforum Ruhr erklingt das erste Konzert – ein Werk von kompromissloser Kraft und rhythmischer Prägnanz, das Bartók 1926 schrieb und das bis heute als Meilenstein der Moderne gilt.
Am Klavier: Anna Vinnitskaya, eine Künstlerin, die für ihre expressive Intensität und ihre poetische Tiefe gefeiert wird. Seit ihrem Sieg beim Concours Reine Elisabeth 2007 gehört sie zu den führenden Pianistinnen unserer Zeit. „Ich suche in jedem Werk nach seiner inneren Wahrheit“, sagt Vinnitskaya – und genau das macht ihre Interpretationen so faszinierend.
Gemeinsam mit den Bochumer Symphonikern unter der Leitung von Tung-Chieh Chuang entfaltet sich ein Programm, das die Vielfalt der Klangwelten zwischen Barock, Klassik und Moderne zeigt. Den Auftakt bildet Johann Sebastian Bachs Klavierkonzert in f-Moll, BWV 1056, ein Werk von eleganter Klarheit und inniger Ausdruckskraft. Danach folgt Bartóks Klavierkonzert Nr. 1 in A-Dur, Sz. 83, ein Stück von eruptiver Energie, das die Volksmusiktradition in ein modernes Klangbild überführt.
Im zweiten Teil erklingt Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 8 in F-Dur, Op. 93, eine Sinfonie voller Witz und rhythmischer Raffinesse, die trotz ihrer kompakten Form zu den originellsten Werken des Komponisten zählt.
mit Nikala Zubiashvili (DJ) Residenz im Salzlager | Klavier & Elektronik
Serious Music
Klavierspiel trifft auf Live-Elektronik und Synthesizer, Prokofiew auf moderne Beats, Beethoven auf elektronische Texturen und georgische Tänze auf Ravels Bolero. „Serious Music“ ist ein Programm, das spielt, überrascht und inspiriert.
Ernste Musik – was bedeutet das eigentlich? Pianist Giorgi Gigashvili fordert bewusst unsere Gewohnheiten heraus: Er experimentiert mit Kunstmusik und Popmusik als zwei ebenbürtigen Musiksprachen. Im Rahmen der Salzlager-Residenz trifft sein Klavierspiel auf Live-Elektronik und Synthesizer von Nikala Zubiashvili.
Gemeinsam verschmelzen die beiden Musiker Prokofiew mit modernen Beats, Beethoven verzahnt sich mit elektronischen Texturen und georgische Tänze verwandeln sich in Ravels „Bolero“. Stimmen, Instrumente und Elektronik treten in Dialog, Rhythmus und Melodie verweben sich, Tradition begegnet Erfindung. Serious Music ist ein Programm, das spielt, überrascht und inspiriert – ein Konzert, das zeigt, wie Musik jenseits von Grenzen und Genres lebendig wird.
Brazilian Jazz Summer Residenz im Salzlager | Jazz Piano
Am Vorabend des längsten Tags des Jahres verwandelt sich das Salzlager in einen Ort voller südamerikanischer Wärme, voller Rhythmus und Lebensfreude. In unserer „Brasilianischen Nacht“ können Sie den Sommer genießen – mit frischen Caipirinhas, kulinarischen Köstlichkeiten und Musik, die direkt an die Copacabana führt.
Der Pianist und Komponist aus Espírito Santo, Nachbarbundesstaat von Rio de Janeiro, erneuert die Tradition des brasilianischen Choro. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts als Mix aus Polka, Walzer und „Afro-Elementen“ entstanden, wurde dieser Stil mit Flöte, Mandoline und Gitarren gespielt, später kam Percussion hinzu. Hercules Gomes saß mit 16 Jahren erstmals an einem echten Klavier, dann aber stieg er tief ins klassische Repertoire ein und arrangiert heute Original-Choros für Soloklavier, die er hochvirtuos interpretiert und mit Improvisationen durchsetzt. Die großen Choro-Komponistinnen Chiquinha Gonzaga und Tia Amélia ehrt er mit Tributalben, neben eigenem Material spielt er Stücke von Choro-Legenden wie Ernesto Nazareth, Pixinguinha oder Zequinha de Abreu (Welthit: „Tico-Tico no fubá“).
Am Vorabend des längsten Tags des Jahres verwandelt sich das Salzlager in einen Ort voller südamerikanischer Wärme, voller Rhythmus und Lebensfreude. In unserer „Brasilianischen Nacht“ können Sie den Sommer genießen – mit frischen Caipirinhas, kulinarischen Köstlichkeiten und Musik, die direkt an die Copacabana führt.
Er imitiert Vogelrufe und die Geräusche des Regenwaldes, seine Musik ruft zur Bewahrung der Natur in seiner brasilianischen Heimat auf. Geboren und aufgewachsen in Recife, der Hauptstadt von Pernambuco, spielte Amaro Freitas mit zwölf Jahren in der Kirche, stieß mit 15 auf eine Live-DVD von Chick Corea und wusste gleich: „Das war genau das, was ich am Klavier machen wollte.“ Ein Klavier hatte er nicht, für einen Abschluss seines Studiums am Konservatorium reichte das Geld nicht, doch in einem Restaurant durfte er außerhalb der Öffnungszeit üben. Mit 22 wurde er Hauspianist eines Jazzclubs in Recife, fand dort die Mitstreiter seines Trios. Nach drei Alben im Trioformat konnte er jetzt für die Nummer vier („Y’Y“) gleich mehrere höchst angesagte Vertreter der aktuellen schwarzen Jazzszene als Gäste gewinnen.
Helge Schneider live am Klavier:
Virtuose Musik trifft auf spontanen Humor. Zwischen Jazz, Klassik und Improvisation entsteht ein Abend, er ebenso brillant wie unvorhersehbar ist.
Bringt unser „Klimperclown“ jetzt den Enkeln Tischsitten bei? Zuzutrauen wär’s ihm. Liegt doch das Wohl und Wehe von Kindern dem Musik-Comedian und Meister des Stand-up-Klamauks, der unlängst 70 wurde, von jeher am Herzen. Zu Beginn seiner Karriere etwa machte Helge Schneider sich Kids gegenüber durch geradezu väterliche Fürsorge verdient: „1994 hatte ich diesen Fernsehauftritt bei Wetten, dass …?“, und auf einmal war ich berühmt. Take That wohnten im selben Hotel. Da waren 15-jährige Mädchen vor dem Hotel, die waren aus Freiburg nach Hof getrampt mit ihren Schlafsäcken, immerhin 500 Kilometer! Die wussten nicht, wo sie schlafen sollten, und legten sich im Hotelflur hin. Da hab ich denen gesagt: ,Hier, nehmt mein Zimmer, aber ihr müsst euren Eltern Bescheid sagen!’ Und ich bin nach Hause gefahren.“
In dem parodistisch-autobiografischen Streifen „The Klimperclown“, den er mit seinem Gitarristen Sandro Giampietro drehte, blickt Schneider zum 70. auf seine Klimperclown-Werdung zurück. An die erinnert sich auch so mancher Musikfreund aus dem Ruhrgebiet in den Achtzigern. Welcher jazzversessene Kneipengänger im Revier wäre nicht schon mal dabei gewesen, wenn Helge auf zahllosen Sessions im Essener Alexander oder Bahnhof Süd jammte, im KuFo mit seinem Trio Standards spielte. Nicht als „Johnny Flash“ oder „singende Herrentorte“, wie er sich nannte, nicht als Komiker mit Witz zum Aua-Schreien, sondern als lupenreiner Jazzer. Wobei er mal auf dem Klavier-, mal auf dem Drum-Schemel Platz nahm, mal an Saxofon oder Trompete, dann wieder am Kontrabass zu erleben war.
Das breitgefächerte Instrumentarium, das er zumindest elementar beherrscht, hat er mit der Zeit enorm erweitert, immer nach dem jazzgerechten Prinzip der Improvisation, von dem bekanntlich auch seine Stand-up-Comedy lebt. „Ich improvisiere. Ich arbeite im Sinne der Improvisation und des Jazz. Für mich bedeutet Jazz Bewegung, und auch meine Komik ist für mich Jazz. Ich spiele einfach drauflos, bringe meine Erfahrung ein und habe immer Lust, neue Sachen zu lernen. Das ist die Hauptsache: dass man nie stillsteht, nie zurückblickt und sagt: ,Jetzt ist gut’. Es muss immer weitergehen.“
Und weiter geht’s. Mit seinen 70 Jahren ist Schneider anscheinend kaum gealtert, im Gegenteil. Mit dem Spieltrieb, den er sich erhalten hat, mit seinem Sinn für Blödsinn, Schabernack und aberwitzige Geschichten scheint er auf immer Kind bleiben zu wollen. In seinen Programmen wechseln sich swingender Jazz und romantische, schlagerparodistische Lieder ab mit hanebüchenem Nonsens. „Ich rede immer noch gerne Quatsch und mache Unsinn. Ich würde nicht sagen, dass wir wirklich ernsthaft Musik machen. Es ist sehr viel Spaß dabei.“ Und dass der Spaß bleibt, liegt wiederum an Helges Talent zur Improvisation. „Sobald man improvisiert, denken die Leute, jeder könnte das. Improvisation ist ein Talent, das schon immer unterschätzt wurde.“
Johann Sebastian Bach:
Choralvorspiel „Nun komm’ der Heiden Heiland“, BWV 659 (Arr. Ferruccio Busoni)
Franz Schubert:
Vier Impromptus, D 899
Vier Impromptus, D 935
Ludwig van Beethoven:
Sieben Bagatellen, Op. 33
„Alfred Brendel hat das Klavier-Festival Ruhr über Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderer Künstler“, sagte Intendantin Katrin Zagrosek, als der Jahrhundertpianist im Juni 2025 mit 94 Jahren gestorben ist. Sein Geist bleibt allerdings lebendig: in Gestalt der zahllosen Pianisten und Pianistinnen, deren Entwicklung er als Mentor und Freund geprägt hat. So auch im Fall von Imogen Cooper. „Ich bat ihn, mit ihm arbeiten zu dürfen, und er willigte ein“, erinnert sich die 1949 in London geborene Pianistin. 20 Jahre war sie damals alt und fuhr „zwei Mal für jeweils etwa sieben Wochen nach Wien, wo wir intensiv zusammenarbeiteten. Er war eloquent, sehr klar in seinen Ideen – und sehr anspruchsvoll.“
Dabei war es nicht nur die Arbeit am Klavier, die prägend für die noch junge Pianistin war: „Wir hörten uns viele andere Musiker an: Fischer, Furtwängler, das Busch-Quartett, Lotte Lehmann, Alfred Cortot waren für mich allesamt neue Entdeckungen und trugen zu dem unermesslichen Reichtum an Inspiration bei, den ich durch die Begegnung mit ihm erhielt.“ Und auch ihre bis heute anhaltende Affinität zum Repertoire der Wiener Klassik und frühen Romantik nahm damals ihren Anfang: „Mein musikalisches Erwachsenwerden begann mit Alfred Brendel durch diese Epoche: Komponisten wie Mozart, Beethoven und Schubert schienen mir – und tun dies immer noch – unbegrenzte Möglichkeiten für einen Interpreten zu bieten, und ich kehre regelmäßig mit größter Freude zu ihnen zurück.“
Und auch ihren Durchbruch verdankt Imogen Cooper dem ehemaligen Lehrmeister: 1977 wählte Alfred Brendel sie als Partnerin am zweiten Klavier für seine Aufnahme von Mozarts Klavierkonzert KV 365 aus, womit sie international bekannt wurde. Wenig später legte sie dann ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer pianistischen Kunst mit einer Einspielung der späten Klavierwerke von Schubert ab. „Imogen Coopers Schubert zeichnet sich aus durch klangschöne, alle Forcierungen und Härten ausklammernde Tongebung, entspannte Rhythmik und gelassenes Voranschreiten, aber sehr subtil und ausdauernd ausgehörte Einzelheiten“, urteilt der Klavierexperte Ingo Harden in seinem lesenswerten Lexikon „Pianisten Profile“.
Ihr sensibles Einfühlungsvermögen und die Liebe zum musikalischen Detail machen sie außerdem zu einer hervorragenden Kammermusikerin: In den 1990er-Jahren zum Beispiel als Partnerin des Sängers Wolfgang Holzmair, mit dem sie u. a. Schuberts „Winterreise“ und „Die schöne Müllerin“ aufgenommen hat. „Das Leben eines Pianisten ist sehr einsam, und das Musizieren mit Kollegen, die auch Freunde sind, ist der perfekte Ausgleich dazu“, sagt sie über ihre regelmäßigen Ausflüge aufs Lied-Podium und in die Kammermusik. Was sie wiederum zu einer besseren Pianistin werden lässt: „Insbesondere Schubert und Schumann haben gleichermaßen ausdrucksstark für Gesang und für Soloklavier komponiert, und es ist unerlässlich, mit beiden Aspekten ihrer Musik vertraut zu sein, um ihnen gerecht zu werden.“
Modest Mussorgsky:
Bilder einer Ausstellung
Fazil Say:
Eigene Werke
Fazıl Say ist als Pianist und Komponist bekannt für seine kraftvollen, lebendigen Interpretationen. Er verbindet klassische Werke mit eigenem, oft überraschendem Blick und lässt in seinen Kompositionen türkische Rhythmen auf zeitgenössische Harmonik treffen. Sein Spiel erzählt Geschichten, erzeugt Bilder und Gefühle, die das Publikum tief berühren. Die flirrende Energie seiner Konzerte ist fast greifbar, und wir freuen uns darauf zu erleben, wie er „Bilder einer Ausstellung“ musikalisch zum Leben erweckt.
Say, geboren 1970 in Ankara, gilt als einer der charismatischsten Künstler unserer Zeit. Sein Durchbruch gelang ihm mit den Mozart-Interpretationen, die ihn weltweit bekannt machten. Heute ist er nicht nur Pianist, sondern auch Komponist von Werken, die Brücken schlagen – zwischen Orient und Okzident, Tradition und Moderne. Zu seinen ikonischen Momenten zählen die Uraufführung seiner „Istanbul Symphony“ und die gefeierte Tournee mit eigenen Klavierkonzerten, die ihn als Grenzgänger zwischen den Welten etablierten. „Ich möchte, dass Musik wie ein Gespräch ist – ehrlich, direkt und voller Emotion“, sagt Say.
Das Programm in Bochum beginnt mit Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, einem der monumentalsten Werke der Klavierliteratur, das mit seinen musikalischen „Gemälden“ eine Galerie voller Fantasie und Ausdruckskraft eröffnet. Danach präsentiert Fazıl Say eigene Kompositionen – Werke, die türkische Rhythmen, zeitgenössische Harmonik und persönliche Geschichten miteinander verweben. So entsteht ein Abend, der nicht nur große Meisterwerke präsentiert, sondern auch die unverwechselbare Handschrift eines Künstlers, der die Musik unserer Zeit prägt.
George Gershwin:
Rhapsodie in Blue (Arr. Conrad Tao) und viele weitere Werke
Claude Debussy:
Etúde Nr. 11 „Pour les arpèges composés“
Maurice Ravel:
Mouvement de menuet, aus der Sonatine, M. 40
sowie Werke von Arnold Schönberg, Scott Joplin, Erich Korngold und Billy Strayhorn
Conrad Tao ist „die Art von Musiker, die die Zukunft der klassischen Musik gestalten“, so das New York Magazine. Geboren 1994 in Urbana, Illinois, studierte Tao Klavier in Chicago und New York sowie Komposition bei Christopher Theofanidis an der Yale School of Music. Schon früh verband er virtuos-klangliche Brillanz mit einer unorthodoxen Neugier auf Komposition und künstlerische Kollaborationen.
Beim Klavier-Festival Ruhr gab Conrad Tao 2024 sein Debüt mit dem „Rachmaninow Songbook“ – ein Programm wie ein Porträt des russischen Komponisten, der in die USA emigrierte und sich
dort vom Jazz beeinflussen ließ. Im Jahr 2026 kehrt er wieder und widmet sich den Werken eines Komponisten, der als Kind russisch-jüdischer Einwanderer den American Dream lebte: George Gershwin. Das wird sicher ein Feuerwerk – titelt die Berliner Morgenpost doch bereits 2024 über Conrad Tao: „Wenn der Mann am Klavier bei Gershwin lustvoll explodiert“. Taos Programm kombiniert den „Rhapsody in Blue“-Komponisten mit Arnold Schönberg, Erich Korngold, Claude Debussy, Maurice Ravel, Scott Joplin und Billy Strayhorn.
Tao improvisiert, experimentiert mit Klangräumen und formt Konzerte zu eigenständigen narrativen Einheiten. Seine Aufnahmen dokumentieren sein Interesse an Kontrasten: virtuos, lyrisch, oft unkonventionell. Er arbeitet kompromisslos an der Substanz jedes Stücks. Das macht ihn zu einem Künstler, der klassische Musik ernst nimmt, aber ihre Formate neu denkt. Aus New York operierend, gilt Conrad Tao als eine der einflussreichsten Stimmen seiner Generation: Pianist, Komponist und Grenzgänger zwischen Tradition und Innovation.
Wolfgang Amadeus Mozart:
Rondo in a-Moll, KV 511
Sonate in A-Dur, KV 331
Maurice Ravel:
„Miroirs“ (Auswahl)
Rebecca Saunders:
„Mirror, Mirror on the Wall“
Franz Schubert:
Sonate in A-Dur, D 664
Sonate a-Moll, D 784
„Fleißig und sorgfältig arbeiten – und dann loslassen“, das ist sein Erfolgsrezept für ein gelungenes Konzert. William (eigentlich Hong-Chun) Youn wurde in Seoul geboren und kam schon früh nach Deutschland. Gelernt hat er bei den legendären Klavierpädagogen Karl-Heinz Kämmerling und Dmitri Bashkirov, bekannt geworden ist er mit seinen Gesamtaufnahmen der Klaviersonaten von Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart. In den vielen Jahren, in denen er sich mit der Musik Franz Schuberts beschäftigt hat, sei dieser Komponist „ein großer Teil von mir geworden“, erzählte er einmal im Interview. Bei einer anderen Gelegenheit bekannte er, wenn er Schubert spiele, „bin ich oft so tief bewegt, dass ich mich frage, ob das eigentlich angemessen ist. Ich denke mir dann: Eigentlich sollte das Publikum Schuberts Ausdruck hören – und nicht mich, wie ich emotional auf die Musik reagiere.“
Dieser tiefe persönliche Zugang ist es gerade, der William Youns Interpretationen eine so unmittelbar fühlbare Tiefe verleiht. Man spürt: Hier spielt jemand, der wirklich etwas zu sagen hat, der sich der Musik vorbehaltlos und mit berührender Verletzlichkeit öffnet. Zugleich schützt sein tiefes künstlerisches Ethos William Youn vor allzu oberflächlicher Subjektivität. Bevor er etwa mit den Vorbereitungen für seine Mozart-Gesamtaufnahme begann, nahm er noch einmal Unterricht beim Hammerflügel-Experten Andreas Staier. Und so erreichte er die interpretatorische Genauigkeit, die perfekte Balance zwischen Ernst und Spiel, die die Kritiker an seinem Mozartspiel zu Recht loben.
mit Tristan Perich (Komposition & Electronics) Residenz im Salzlager | Klavier & Elektronik
Surface Image
„Surface Image“ von Tristan Perich ist ein episches Werk für Klavier und 40-Kanal-1-Bit-Elektronik. Virtuose Pianistik trifft auf minimalistische Elektronik.
Vicky Chow und Tristan Perich lassen Mensch und Maschine in einen faszinierenden Dialog treten: Mit einer einer Installation aus 40 Lautsprechern schaffen sie eine immersive Klanglandschaft.
Im dynamischen Wechsel von akustischem Klavier und synthetischen Schaltungen entsteht eine bisher ungehörte, faszinierende Minimal Music. Perichs Arbeiten für 1-Bit-Elektronik kombinieren kleinste Schaltimpulse mit traditioneller Instrumentation und machen Elektronik auf ihre grundlegendste Weise hörbar. Für die Pianistin Vicky Chow ist das ein Spiel aus Timing, Klangfarbe und Interaktion – ein Dialog zwischen Mensch und Maschine, bei dem jede Bewegung, jede Nuance die Elektronik beeinflusst. Minimalistisch, experimentell, überraschend unmittelbar.
Dauer: ca. 4 Stunden
18:30 Uhr: Werkstattgespräch mit Vicky Chow und Tristan Perich im Möbelloft
Tangerine Dream entführt das Publikum in hypnotische Klangwelten aus Synthesizern und Sequenzen. Die Berliner Elektronik-Pioniere schaffen live eine immersive Soundreise – ein Erlebnis für Fans von Ambient, Trance und cineastischen Klanglandschaften.
„Wir waren 1970, als wir anfingen, ebenso unwichtig wie heute, nur eben für einen anderen Personenkreis“, sagte Edgar Froese einmal, und wer den Gründer von Tangerine Dream erlebt hat, weiß: Hier ist keine eitle Bescheidenheit am Werk, Froese meint das ganz ernst. Und er irrt. Seit mehr als 50 Jahren prägt die Band den Sound zwischen Traum und Realität – und sie tut es auch nach dem Tod von Edgar Froese, der sich ausdrücklich gewünscht hat, dass Tangerine Dream ohne ihn weitermacht. Heute jagt die Gruppe durch hypnotische Sequenzen, verschmilzt pulsierende Rhythmen mit sphärischen Harmonien und treibt ihre Vision in die Zukunft. Nostalgie? Fehlanzeige. Hier entsteht ein Klanguniversum, und wir haben das Glück, beim Entstehen zuhören zu können.
Wolfgang Amadeus Mozart:
Requiem in d-Moll, KV 626 (Arr. Karl Klindworth)
Hector Berlioz:
Symphonie fantastique, Op. 14 (Arr. Franz Liszt)
Vadym Kholodenko gehört zu den Pianisten, die Virtuosität nicht als Selbstzweck verstehen, sondern als Mittel, um musikalische Geschichten zu entfalten. Kritiker loben seine „kristalline Präzision“ und die Fähigkeit, selbst komplexeste Passagen mit poetischer Klarheit zu gestalten. Sein Spiel verbindet technische Brillanz mit einer interpretatorischen Tiefe, die an die großen Meister der Goldenen Ära erinnert – und doch ist seine Handschrift unverkennbar modern.
Was Kholodenko auszeichnet, ist die Art, wie er Programme konzipiert: Er stellt Werke in Dialog, sucht nach verborgenen Linien zwischen Epochen und Stilen. So kombiniert er bisweilen Bach und Byrd mit zeitgenössischen Stimmen wie Frederic Rzewski oder Thomas Adès und macht hörbar, wie sich musikalische Ideen über Jahrhunderte entwickeln. In seinen Rezitalen begegnet man nicht bloß einer Abfolge von Stücken, sondern einer dramaturgisch durchdachten Erzählung, die den Zuhörer in die Klangwelt der Komponisten hineinzieht.
Vadym Kholodenkos Repertoire ist weitgesteckt und dokumentiert seine Vielseitigkeit. Doch wichtiger als die Vielfalt ist die Haltung dahinter: Für Kholodenko ist das Konzert kein Schaulaufen, sondern ein Raum für Reflexion, Spannung und emotionale Tiefe. Er verbindet Tradition und Innovation, Virtuosität und Intellekt – und schafft so Interpretationen, die nicht nur beeindrucken, sondern berühren.
Beim Klavier-Festival Ruhr wird Vadym Kholodenko diese künstlerische Vision unter Beweis stellen: Mit Klavierfassungen von Mozarts „Requiem“ und Berlioz’ „Symphonie fantastique“ wagt er den Schritt in orchestrale Dimensionen. Hier zeigt sich seine Fähigkeit, monumentale Werke in eine intime, aber nicht minder dramatische Klangsprache zu übertragen – ein Programm, das den Zuhörer in eine neue, faszinierende Perspektive auf zwei Meisterwerke führt.
Dauer: ca. 4 Stunden
18:30 Uhr: Werkstattgespräch mit Vadym Kholodenko im Möbelloft
Encuentro
Ein Treffen zweier Ausnahmepianisten, ein Flügel-Duett voller Energie: Francesco Tristano und Marialy Pacheco begeistern mit Jazz, Klassik und eigenen Kompositionen.
„Bach zu spielen, interessiert mich total“, sagt Francesco Tristano. „Ich werde wohl immer Bach spielen.“ Und Marialy Pacheco ergänzt: „Bachs Musik ist so perfekt komponiert, dass mir beim Spielen seines g-Moll-Klavierkonzerts jedes Mal die Tränen kommen.“ In der Liebe zu Bach treffen sich der Klassikpianist aus Luxemburg, der mit spektakulärem Erfolg auch Minimal Music, Techno und Electronica aus dem Flügel zaubert, und die kubanische Jazzpianistin, die mit so großer Leichtigkeit Klassikelemente und Afro-Rhythmen einbezieht. Beide haben jüngst Alben mit Bach-Interpretationen vorgelegt, und man darf davon ausgehen, dass beim Klavier-Festival Ruhr auch Bach auf ihrer Setlist steht. Beide lieben grenzüberschreitende Begegnungen, zusammen kreieren sie ein facettenreiches Kaleidoskop an Musikstilen.
Dauer. ca. 4 Stunden
18:30 Uhr. Werkstattgespräch mit Francesco Tristano und Marialy Pacheco im Möbelloft
„Tastenavantgarde“
Gesprächskonzert mit verschieden
historischen Tasteninstrumenten
Alexander Gergelyfi ist ein Meister dieser kleinen Ereignisse, denen man seine ganze Aufmerksamkeit schenken sollte, damit sie uns berühren. Denn der in Linz geborene Pianist gilt als Spezialist für historische Tasteninstrumente. Ob ein schmales Clavichord oder ein Hammerflügel, Gergelyfi versteht es, die Seele dieser jahrhundertealten Zauberkästen zum Klingen zu bringen. „Jedes Instrument ist etwas Heiliges, weil es ein Zeitdokument ist“, erklärt der Pianist.
International bekannt geworden ist Gergelyfi als Partner des Baritons Georg Nigl bei den „Nachtmusiken“ der Salzburger Festspiele: Veranstaltungen im intimen Rahmen, die es erlauben, die Besonderheiten historischer Instrumente besonders intensiv zu erleben. Gergelyfi sieht sich als „Jäger nach dem Klang“, ohne das Ergebnis im Vorhinein genau zu kennen. „Ich lasse mich gerne überraschen.“ Doch der Jäger versteht es inzwischen, Fährten zu lesen. Wo immer im Internet oder bei Auktionen alte Instrumente auf den Markt kommen, kann er die Lage schnell einschätzen und die Spreu vom Weizen trennen.
Hört man Gergelyfi an einem der filigranen, kostbaren Instrumente, spürt man unweigerlich: So fein, so sensibel abgestimmt, so farbenreich klingen moderne Flügel oft nicht.
ein Education-Konzertabend mit musikalischen und choreografischen Beiträgen zu Werken von Dimitri Schostakowitsch u. a.
Schülerinnen und Schüler aus Duisburg-Marxloh (Musik und Tanz)
Lorenzo Soulès (Klavier)
Roger Morelló Ros (Violoncello)
Werke von Dmitri Schostakowitsch, Béla Bartók und anderen Komponisten
Gleichberechtigte Begegnungen ermöglichen und nachhaltige Verbindungen schaffen – diese Ziele verfolgt das Klavier-Festival Ruhr mit seinen schulübergreifenden Projekten in Duisburg-Marxloh. Im Zentrum des diesjährigen Projekts stehen Werke von Dimitri Schostakowitsch aus den frühen 1930er-Jahren. Unter der Leitung von Yasha Wang erarbeiten Kinder und Jugendliche aus drei Marxloher Schulen eine Choreografie zur Musik des russischen Komponisten. Ergänzend kreieren Schüler:innen gemeinsam mit dem Bühnenbildner Sven Hansen das Bühnenbild und die Kostüme für das Projekt.
Das beeindruckende Resultat ihrer Zusammenarbeit präsentieren sie gemeinsam mit dem Pianisten Lorenzo Soulès und dem Cellisten Roger Morelló Ros auf der Bühne der Mercatorhalle.
Neben dem schulübergreifenden Projekt sind am Konzertabend weitere künstlerische Beiträge zu erleben, die im laufenden Schuljahr im Education-Programm des Klavier-Festival Ruhr mit großem Engagement erarbeitet wurden. Sie eröffnen zusätzliche Perspektiven auf Musik und Bewegung und bieten einen Einblick in die vielfältigen künstlerischen Arbeitsprozesse an den Marxloher Schulen. Entwickelt wurden die Beiträge unter der Leitung von Petra Jebavy, Cinthia Nisiyama, Erika Pico und Bianca Pulungan, in Zusammenarbeit mit Sonja Birnschein und Stephan Petersen.
„Wenn der ungarische Pianist András Schiff über die Klaviermusik seines Landsmannes Béla Bartók spricht, reiht sich ein Bild an das andere,“ schrieb die FAZ in ihrer Besprechung von „explore the score“, der multimedialen Musikvermittlungsplattform des Klavier-Festival Ruhr, für die Sir András Schiff vor fünf Jahren Stücke des ungarischen Komponisten aufbereitete.
Den ungarischen Pianisten – der mittlerweile in Florenz lebt –, den Komponisten Béla Bartók und das Klavier-Festival Ruhr verbindet also eine gemeinsame Geschichte und so können wir uns in dem Jahr, in dem sich das Klavier-Festival „Zeit für Bartók“ nimmt, auf genau diese narrativen Bilder, die András Schiff von Bartóks Musik so eindrücklich zeichnet, freuen.
Wie in all seinen Rezitalen bleibt das Programm auch in Schiffs bereits 28. Auftritt an Rhein und Ruhr ein gut gehütetes Geheimnis. Dass sein ungarischer Landsmann im Mittelpunkt stehen wird, kann er uns aber schon versprechen. Auf ihn wird Schiff durch verschiedene „Linsen“ anderer Komponisten vor und nach Bartók blicken: vielleicht zeigt er uns den Einfluss Bachs auf Bartóks Polyphonie, oder er vergleicht die große Sonatenform bei Bartók und Beethoven. Vielleicht entdeckt er gemeinsame Farben in Debussy und Bartók, oder er schlägt den ungarischen Bogen von Bartók auf dessen Nachfolger, den diesjährigen Jubilar György Kurtág.
In seinem Rezital – dem großen Finale der diesjährigen Salzlager-Residenz des Klavier-Festival Ruhr – wird Schiff spontan die passenden Werke auswählen, um diese und weitere Verbindungen zu verbildlichen, zusammen mit seinen unverwechselbar gewitzten Moderationen und einem stets verschmitzten Lächeln.
Dauer: ca. 2 Stunden
18:30 Uhr. Werkstattgespräch mit Sir András Schiff im Möbelloft
Brandt Brauer Frick ist ein Trio, das elektronische Musik radikal neu denkt. Gegründet 2008 in Berlin, verschmilzt das Ensemble repetitive Dance-Grooves mit den Klangfarben zeitgenössischer Klassik und Minimal Music. Die Musik bewegt sowohl Körper als auch Geist: Techno trifft auf Live-Instrumente, minimalistische Strukturen auf orchestrale Komplexität. Die BBC nennt das „concert hall compositions for the clubbing generation“ und The Guardian lobt das Trio als neue Gesichter des deutschen Techno.
Die drei Musiker – Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick – präsentieren in Gelsenkirchen ein Programm quer durch 17 Jahre Bandgeschichte – mit besonderem Fokus auf ihr aktuelles Album „Multi Faith Prayer Room“. Dabei entstehen Stücke, die sowohl auf der Tanzfläche als auch im Konzertsaal ihre Wirkung entfalten.
Am 4. Juli 2026 verwandelt sich die traditionsreiche Grugahalle in einen Ort musikalischer Intimität und Eleganz: Die kanadische Jazz-Ikone Diana Krall gastiert im Rahmen des Klavier-Festival Ruhr in Essen und bringt ihr unverwechselbares Zusammenspiel aus samtiger Stimme und virtuosem Klavierspiel auf die Bühne.
Diana Krall ist eine Musikerin der Superlative – die einzige Jazzsängerin, deren acht Alben direkt auf Platz eins der Billboard Jazz Albums Charts eingestiegen sind. Ihre Alben wurden mit zwei GRAMMY® Awards und zehn Juno® Awards ausgezeichnet und haben neun Gold-, drei Platin- sowie sieben Multi-Platin-Status erreicht. Ihr Album „When I Look in Your Eyes“ aus dem Jahr 1999 hielt sich unglaubliche 52 Wochen auf Platz 1 der Billboard Jazz Charts, gewann zwei GRAMMY® Awards und erreichte Platinstatus in den USA und Kanada – ein Meilenstein, der sie als feste Größe im Genre etablierte.
Ihr Album „This Dream Of You“ wurde von der Kritik gefeiert und zeigt die mühelose Virtuosität, die zu Diana Kralls musikalischem Markenzeichen geworden ist. Ihre einzigartige künstlerische Ausdruckskraft und Musikalität überschreiten die Grenzen einzelner Musikstile und machen sie zu einer der bekanntesten Künstlerinnen unserer Zeit.
„Sie ist eine der besten Jazzsängerinnen und Pianistinnen ihrer Generation und erschafft einen einzigartigen Sound, der anspruchsvolle Jazz-Sensibilität mit zeitloser Eleganz verbindet.“ – NPR
Die Grugahalle, einst Bühne für Legenden wie Ella Fitzgerald und Ray Charles, bietet den perfekten Rahmen für diesen besonderen Abend. Inmitten der pulsierenden Ruhrmetropole entsteht ein Raum für musikalische Tiefe – und für Gänsehautmomente.
Frédéric Chopin:
Barcarolle in Fis-Dur, Op. 60
Sergei Rachmaninow:
Etudes-Tableaux, Op. 33
Florence Price:
Fantasie Nègre, Nr. 1
Igor Strawinsky:
Auszüge aus „Der Feuervogel“-Suite (Arr. Guide Agosti)
und Werke von Grażyna Bacewicz und William Grant Still
Zur Freude finden, indem man Freude schenkt. Sich selbst helfen, indem man anderen hilft. Clare Hammond hat Empathie zu einer Prämisse ihres künstlerischen Schaffens gemacht: „Fast aus dem Impuls heraus beschloss ich, in Gefängnissen zu konzertieren. Ich entwickelte moderierte Einführungen, die auf die seelischen Kämpfe der Komponisten eingingen. Und genau das stellte sich als Schlüssel zum Publikum heraus. Die unruhige Energie im Raum verwandelte sich in gespannte Aufmerksamkeit, als ich von Schuberts sozialer Isolation sprach und dann sein Impromptu in Ges-Dur spielte. Ich glaube, das war der magischste Moment, den ich je bei einem Konzert erlebt habe.“
Clare Hammond wurde so mehr und mehr zur Vermittlerin und wird nicht müde zu betonen, wie nachhaltig das Konzertieren vor einem Publikum, das mit klassischer Musik kaum vertraut ist, ihr ganzes Künstlertum geprägt hat. Sie selbst könnte kaum mehr mit Musik vertraut sein, hat die Britin doch neben ihrem Klavierstudium auch eine Promotion über das Klavierrepertoire für die linke Hand abgeschlossen. Als Dr. Hammond wird man sie allerdings nirgendwo finden können, so sehr stellt sie sich selbst hinter ihren Auftrag zur Musikvermittlung und beschreibt sich als eher introvertiert.
Ganz und gar nicht zurückhaltend ist dagegen ihr bedingungsloser Einsatz für übersehene Stimmen in der Musikgeschichte und besonders für die von Komponistinnen. So sind unter anderem bedeutende Namen wie Hélène de Montgeroult und Cécile Chaminade durch sie wieder in den Konzertalltag gerückt.
Bei Clare Hammonds Debüt beim Klavier-Festival Ruhr im Haus Fuhr in Essen können wir in ihren Händen also Musik der polnischen Komponistin (und Schriftstellerin) Grażyna Bacewicz entdecken, genauso wie die in den letzten Jahren wieder bekannt gewordene Florence Price. Deren Fantasie Nègre von 1929 ist ein frühes Beispiel für die trotz aller Rassentrennung aufstrebende Vereinigung von Klassik und schwarzer Kultur in den USA der 1920er. So beruht dieses Klavierstück auf dem Spiritual „Sinner, please
don’t let this harvest pass“ und wurde von Prices ebenfalls komponierender schwarzer Mitstreiterin Margaret Bonds mit großem Erfolg in Chicago uraufgeführt.
Mit William Grant Still und Earl Wild bringt Hammond weitere Vertreter aus dem Amerika des 20. Jahrhunderts zu Gehör, mit Strawinskys Feuervogel auch einen fulminanten Abschluss ihres Rezitals, nachdem Chopin und Rachmaninow den virtuosen ersten Teil einrahmen. Zwar soll Haus Fuhr an diesem Abend eher nicht zu einem Gefängnis werden, doch können Sie auch hier magische Momente im Konzert der jungen Pianistin erleben, wenn diese mit uns gemeinsam Freude in der Musik findet.
„Das Schönste ist, wenn es mir gelingt, die Leidenschaft, die ich für diese Musik empfinde, dem Publikum zu vermitteln.“
Johannes Brahms:
Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 in G-Dur, Op. 78 „Regenliedsonate“
Leoš Janáček:
Sonate für Violine und Klavier
Amy Beach:
Romanze für Violine und Klavier, Op. 23
Sergei Prokofiev:
Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 in D-Dur, Op. 94a
Seong-Jin Cho und Augustin Hadelich haben 2025 jeweils unabhängig voneinander einen Opus Klassik gewonnen. Gemeinsam spielen sie, als hätten sie schon ihr ganzes Leben miteinander musiziert. Klavier und Geige verschmelzen zu einem lebendigen Dialog – mal zart, mal leidenschaftlich. Wenn sie unter anderem Brahms’ „Regenliedsonate“ in Bochum präsentieren, erleben wir Musik, die von selbst erzählt, überrascht und berührt.
Cho, geboren 1994 in Seoul, wurde 2015 mit dem Sieg beim Internationalen Chopin-Wettbewerb weltbekannt. Seither konzertiert er mit den führenden Orchestern der Welt und begeistert mit Interpretationen, die Klarheit und emotionale Tiefe vereinen. Hadelich, vielfach ausgezeichnet – darunter auch ein Grammy –, gilt als einer der großen Geiger unserer Zeit. Seine Kunst verbindet technische Perfektion mit einer erzählerischen Intensität, die jedes Werk zum Erlebnis macht.
Das Programm im Musikforum Bochum beginnt mit Johannes Brahms’ Sonate Nr. 1 in G-Dur, Op. 78, der „Regenliedsonate“, deren lyrische Wärme und innige Melodik sie zu einem der schönsten Werke der romantischen Kammermusik macht. Danach folgt Leoš Janáčeks Sonate für Violine und Klavier, ein Stück voller expressiver Spannung und kantiger Schönheit.
Im zweiten Teil erklingt die zarte Romanze für Violine und Klavier, Op. 23 von Amy Beach, bevor Sergei Prokofievs Sonate Nr. 2 in D-Dur, Op. 94a den Abend mit rhythmischer Brillanz und melodischer Fantasie beschließt.
mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Kent Nagano
Ludwig van Beethoven:
Sonate Nr. 1 in f-Moll, Op. 2 Nr. 1
Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, Op. 37
Antonín Dvořák:
Sinfonie Nr. 9 in e-Moll, Op. 95 („Aus der Neuen Welt“)
Manchmal fügt sich ein Programm so, dass man es kaum besser hätte erfinden können. Da sitzt Mao Fujita am Flügel – ein Pianist, dessen klare, kluge und zugleich packende Art ihn längst über den Status eines Geheimtipps hinaushebt. Beethoven begleitet ihn durch den Abend: zunächst intim und kammermusikalisch mit der Sonate Nr. 1 in f-Moll, Op. 2 Nr. 1, einem Werk von jugendlicher Energie und dramatischer Spannung. Danach öffnet sich der Klangraum: Im Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll, Op. 37 wird das Klavier zum Partner eines ganzen Orchesters, wenn Kent Nagano und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin die Bühne in einen Ort orchestraler Größe verwandeln.
Fujita, geboren 1998 in Tokio, wurde 2019 beim Tschaikowsky-Wettbewerb mit der Silbermedaille ausgezeichnet und gilt seither als einer der aufregendsten Pianisten seiner Generation. Seine Einspielung des gesamten Mozart-Sonatenzyklus machte ihn international bekannt. „Ich möchte, dass die Musik wie ein Gespräch klingt – ehrlich und lebendig“, sagt Fujita.
Kent Nagano ist seit Jahrzehnten eine prägende Figur der internationalen Musikszene. Der gebürtige Kalifornier leitete Spitzenorchester in Europa, Amerika und Asien und ist bekannt für seine klare, transparente Klangvorstellung und seine Fähigkeit, klassische Werke mit zeitgenössischer Relevanz zu verbinden.
Den Abschluss des Abends in der Historischen Stadthalle Wuppertal bildet Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 in e-Moll, Op. 95 „Aus der Neuen Welt“, eine Sinfonie, die mit ihren weiten melodischen Bögen und rhythmischen Impulsen bis heute fasziniert – vertraut und doch voller Entdeckungen.
mit dem WDR Sinfonieorchester unter Leitung von Edward Gardner Zeit für Bartók
Claude Debussy:
Prélude à L’après-midi d’un faune
Béla Bartók:
Klavierkonzert Nr. 2 in G-Dur, Sz. 95
Igor Strawinsky:
Le Sacre du Printemps
Rhythmische Energie, raffinierte Orchesterfarben und eine tiefe Verbundenheit zur Volksmusik – die drei Klavierkonzerte von Béla Bartók spannen einen eindrucksvollen Bogen über seine gesamte schöpferische Entwicklung. An diesem Abend erklingt in Essen das zweite Konzert, ein Werk von atemberaubender Virtuosität und rhythmischer Schärfe, das Bartók 1931 schrieb und das bis heute als eines der anspruchsvollsten Stücke der Klavierliteratur gilt.
Am Flügel: Pierre-Laurent Aimard, einer der großen Klangforscher unserer Zeit. Bekannt für seine interpretatorische Präzision und seine Leidenschaft für die Musik des 20. Jahrhunderts, ist Aimard eine Idealbesetzung für Bartóks komplexe Klangwelt. „Ich möchte die Architektur der Musik sichtbar machen – und zugleich ihre emotionale Kraft entfalten“, sagt er.
Das Programm beginnt mit Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“, einem Schlüsselwerk des musikalischen Impressionismus, das mit seinen schwebenden Farben und sinnlichen Linien den Abend eröffnet. Danach folgt Bartóks Klavierkonzert Nr. 2 in G-Dur, Sz. 95, ein Stück von eruptiver Energie und rhythmischer Prägnanz, das die Volksmusiktradition in ein modernes Klangbild überführt.
Den Abschluss bildet Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, ein Werk, das 1913 die Musikwelt revolutionierte und bis heute als Inbegriff des musikalischen Aufbruchs gilt – archaisch, kraftvoll und von einer rhythmischen Intensität, die den Konzertsaal in einen pulsierenden Klangraum verwandelt.
Johann Sebastian Bach:
Toccata in e-Moll, BWV 914
Sergej Prokofiew:
Sonate Nr. 2 in d-Moll, Op. 14
Frédéric Chopin:
Barcarolle in Fis-Dur, Op. 60
Sonate Nr. 3 in h-Moll, Op. 58
„Ihr Klavierspiel ist zwar ein Wunder, hat aber nichts Kindliches an sich. Ihre Interpretationen sind die einer Erwachsenen, einer voll ausgeformten Persönlichkeit.“
Der Schritt vom virtuosen Wunderkind zur ernstzunehmenden Künstlerin ist oftmals kein leichter. Alexandra Dovgan jedoch war bereits mit zwölf Jahren, als sie ihr sensationelles Debüt bei den Salzburger Festspielen gab, dem Wunderkind-Status entwachsen. Ihr Mentor, der große Grigory Sokolov, stellte sie damals mit den Worten vor: „Ihr Klavierspiel ist zwar ein Wunder, hat aber nichts Kindliches an sich. Ihre Interpretationen sind die einer Erwachsenen, einer voll ausgeformten Persönlichkeit.“
„Das musikalische Ereignis scheint aus sich selbst heraus zu entstehen und nicht gespielt zu werden.“
Und Helmut Mauro schwärmte drei Jahre später in der Süddeutschen Zeitung von Dovgans „so unwiderstehlich ehrlicher Musikalität, wie man sie nur sehr selten hört. Es ist nichts Gekünsteltes in ihrem Spiel, nichts Übertriebenes oder gar Didaktisches. Das musikalische Ereignis scheint aus sich selbst heraus zu entstehen und nicht gespielt zu werden.“
Es ist beeindruckend und faszinierend, den künstlerischen Weg dieser Pianistin zu verfolgen, deren Spiel mit jedem Jahr an Ausdruckskraft und Tiefe gewinnt. Werke von Schubert und Beethoven, besonders aber auch Bach und Chopin stellt die junge Russin, die mit ihrer Familie im spanischen Malaga lebt, gerne in den Mittelpunkt ihrer Programme. Bei ihrem Auftritt in Bottrop dürfen wir uns auf Werke von Sergei Prokofiew, Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin in den frischen, authentischen Interpretationen der inzwischen 18-Jährigen freuen.
Frédéric Chopin:
Prélude in cis-Moll, Op. 45
Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35
Mazurka, Op. 33 Nr. 4
Mazurka, Op. 41 Nr. 2
Mazurka, Op. 63 Nr. 2
Franz Schubert:
Sonate Nr. 21 in B-Dur, D 960
Arcadi Volodos spielt, als würde sich auf dem Klavier ein ganzes Bühnenstück entfalten. Jeder Ton erzählt, jede Wendung überrascht. Virtuosität, Spannung und Tiefe verschmelzen zu einem Erlebnis, das einen unmittelbar hineinzieht ins Klanggeschehen. Selbst vertraute Werke gewinnen unter seinen Händen neue Dramatik, füllen den Raum mit Intensität – und machen jeden Moment zu etwas Einzigartigem.
Volodos, geboren 1972 in Sankt Petersburg, gilt als einer der großen Klangmagier unserer Zeit. Seine Interpretationen sind berühmt für ihre poetische Tiefe und technische Brillanz. „Ich spiele nicht für den Effekt, sondern für die Wahrheit des Klangs“, sagt Volodos – und genau das spürt man in jedem seiner Konzerte.
Das Programm beginnt mit einer Auswahl von Frédéric Chopin: drei Mazurken – in h-Moll, Op. 33 Nr. 4, in e-Moll, Op. 41 Nr. 2 und in f-Moll, Op. 63 Nr. 2 –, gefolgt vom Prélude in cis-Moll, Op. 45 und der Sonate Nr. 2 in b-Moll, Op. 35, deren berühmter Trauermarsch zu den ikonischen Momenten der Klavierliteratur zählt.
Im zweiten Teil erklingt Franz Schuberts Sonate Nr. 21 in B-Dur, D 960, ein Werk von symphonischer Weite und melancholischer Tiefe, das zu den letzten großen Schöpfungen des Komponisten gehört.
„Durch seine Arbeit als Musiker, Bandleader, Lehrer, multidisziplinärer Künstler und Wissenschaftler spielt er eine entscheidende Rolle als Bewahrer des kulturellen Erbes des Jazz“, so die Jury des Amherst College in Massachusetts, das Jason Moran im Mai 2024 zum „Doctor of Arts“ ernannte. Beim Klavier-Festival Ruhr zeigte Moran kurz darauf seinen Einsatz für die Jazztradition, indem er mit der hr-Bigband „125 Jahre Duke Ellington“ feierte.
Immer wieder setzt der Pianist sich mit verschiedenen Stilen auseinander, von Swing bis Hip-Hop, und beleuchtet sie aus neuer Perspektive, etwa mit Installationen und Multimediaprojekten. Solo am Klavier dürfte er neben eigenen auch Stücke von Altmeistern wie James P. Johnson, Fats Waller oder Jazzlegende Thelonious Monk aufführen – auf seine unverwechselbare Art.
Peter I. Tschaikowsky:
Nussknacker-Suite (Arr. Mikhail Pletnev)
Frédéric Chopin:
Nocturnes Nr. 7 in cis-Moll & Nr. 8 in Des-Dur, Op. 27
Andante spianato et Grande Polonaise brillante in Es-Dur, Op. 22
Edvard Grieg:
Aus den Lyrischen Stücken:
– Arietta & Valse aus Buch 1, Op. 12
– Erotikk aus Buch 3, Op. 43
– Trolltog („Zug der Zwerge“) & Notturno aus Buch 5, Op. 54
– llupsdag på Troldhaugen („Hochzeitstag auf Troldhaugen“) aus Buch 8, Op. 65
Claude Debussy:
Rêverie
Images, Buch 1
Nobuyuki Tsujii setzt sich ans Klavier, und plötzlich tanzen Zuckerfee, Puppen und Mäuse durch den Raum. Jeder Wirbel, jeder Sprung in der „Nussknacker“-Suite wird lebendig, mal verspielt, mal kraftvoll, immer voller Überraschungen. Man folgt den Tänzen, lacht leise mit, staunt über Details, die plötzlich aufblitzen, und merkt: Musik kann wie ein Märchen sein – voller Fantasie, Bewegung und Gefühl. Nobuyuki Tsujii lässt Tschaikowskys „Nussknacker“-Suite auf dem Klavier in leuchtenden Farben erstrahlen. Mit jedem Anschlag öffnet er neue Klangräume, in denen Magie und Präzision Hand in Hand gehen.
Tsujii, geboren 1988 in Tokio, ist längst eine Legende: Seit seinem Sieg beim Van Cliburn International Piano Competition 2009 begeistert er weltweit mit einer Kunst, die technische Brillanz und emotionale Tiefe vereint. Seine Fähigkeit, Musik auswendig zu lernen und mit unvergleichlicher Ausdruckskraft zu gestalten, macht jedes Konzert zu einem Ereignis. „Ich möchte, dass die Musik direkt ins Herz spricht“, sagt Tsujii – und genau das gelingt ihm.
Im Robert-Schumann-Saal beginnt er mit einer Auswahl aus Edvard Griegs Lyrischen Stücken: „Arietta“ und „Valse“ aus Op. 12, „Erotikk“ aus Op. 43, „Trolltog“ und „Notturno“ aus Op. 54 sowie „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ aus Op. 65 – Miniaturen voller nordischer Poesie und tänzerischer Leichtigkeit. Danach erklingen zwei Nocturnes von Frédéric Chopin (cis-Moll und Des-Dur, Op. 27) sowie das brillante Andante spianato et Grande Polonaise brillante in Es-Dur, Op. 22.
Im zweiten Teil folgt Claude Debussys „Rêverie“ und die erste Sammlung der Images, bevor Tschaikowskys „Nussknacker“-Suite in der virtuosen Bearbeitung von Mikhail Pletnev den Abend beschließt – ein Feuerwerk aus Klangfarben, das die Bühne in ein Märchenland verwandelt.
Technische Perfektion, tiefer Ausdruck und verblüffende Intuition: Wenn man Kenner und Kollegen fragt, was das Spiel von Grigory Sokolov so besonders macht, muss man sich auf eine lange Antwort einstellen. Jeder Ton wirkt bedacht, jede Wendung überraschend, jede Phrase sorgfältig geformt. Sokolov ist ein Pianist, der Technik, Ausdruck und Musikalität auf höchste Weise vereint – der ideale Künstler für das Abschlusskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2026.
Geboren 1950 in Leningrad, gewann er bereits mit 16 Jahren den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau – ein Triumph, der den Beginn einer einzigartigen Karriere markierte. Seit seinem ersten Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr im Jahr 1993 ist er dem Festival eng verbunden: Das Konzert 2026 ist sein 26. Auftritt hier – eine beeindruckende Kontinuität, die seine besondere Beziehung zu diesem Ort unterstreicht.
Über seine Kunst sagt Sokolov: „Musik ist für mich kein Beruf, sondern ein Aspekt des Lebens. So natürlich wie Atmen. Man weiß nicht, wie man atmet – man tut es einfach. Genauso ist es mit der Musik. Sie ist Leben. Die innere Welt ist das Wichtigste, nicht die äußere Form. Vieles geschieht spontan, aber auf einer sehr hohen Stufe der Arbeit.“
Das Abschlusskonzert des Klavier-Festival Ruhr 2026 im Anneliese Brost Musikforum Bochum wird eine Begegnung mit einem Künstler sein, der Musik als existenziellen Dialog versteht – und damit jeden Ton zu einem Ereignis macht.
Das Klavier-Festival Ruhr ist das größte Festival für Klaviermusik weltweit. Seit seiner Gründung im Jahr 1989 vereint es jeden Sommer internationale Stars der Szene, vielversprechende Nachwuchstalente, Preisträger renommierter Wettbewerbe sowie außergewöhnliche musikalische Konzepte.
Rund 60 Konzerte in traditionsreichen Konzertsälen, in Industriedenkmälern, auf Kleinkunstbühnen und in Museen im Ruhrgebiet sowie in Düsseldorf, Wuppertal und Umgebung werden jedes Jahr von ca. 40.000 Musikfreunden besucht. Sie alle eint die Begeisterung für Klaviermusik auf höchstem Niveau.
Ob Wiener Klassiker, Barock, Romantik oder zeitgenössische Musik, ob Jazz oder Pop, Solorezital, Kammermusik, mit Band oder Orchester oder Klavier & Elektronik – das Festival bildet die gesamte stilistische und klangliche Vielfalt der Tasteninstrumente ab.
Das Fachmagazin Fono Forum bezeichnet das Klavier-Festival Ruhr als „weltweit bedeutendstes Klavierfestival“, und Starpianist Igor Levit nennt es „die beste Klavierparty überhaupt“.